Meine persönliche Geschichte: Selbstvorstellung in der Gruppentherapie
Eine geführte Übung hilft Patienten, sich ihrer Gruppe vorzustellen, die großen Phasen ihres Lebens zu benennen und einen kohärenten Lebensnarrativ aufzubauen.
Klinische Fallbeispiele
Lebensnarrativ in der Depressionsgruppe
Klinischer Kontext. Herr K., Mitte vierzig, befindet sich seit zwei Wochen in einer stationären Gruppentherapie wegen einer rezidivierenden depressiven Störung. Er beschreibt sich selbst als wortkarg und gibt an, kaum zu wissen, wie er über sein Leben sprechen soll. Der Therapeut leitet die Übung "Meine persönliche Geschichte" ein und bittet ihn, anhand der Leitfragen der Gruppe zu erzählen, wer er ist, was ihm wichtig ist und welche Lebensphasen ihn geprägt haben. Herr K. stockt zunächst bei der Frage nach seinen Interessen, benennt dann aber zögerlich seine Leidenschaft fürs Wandern sowie zwei einschneidende Abschnitte: den frühen Verlust seines Vaters und einen beruflichen Neuanfang mit vierzig. Die strukturierte Vorlage ermöglicht ihm, einen ersten kohärenten Faden zu ziehen; die Gruppe spiegelt ihm zurück, dass sie ihn nun besser einordnen kann.
Kohärenz nach traumatischer Lebensgeschichte
Klinischer Kontext. Frau M., Ende zwanzig, nimmt an einer ambulanten Traumagruppe teil und hat bisher in Sitzungen kaum über ihre Biografie gesprochen. Die Therapeutin schlägt die Übung "Meine persönliche Geschichte" vor und betont, dass es keine vollständige Darstellung brauche, sondern nur das, was die Patientin bereit ist zu teilen. Frau M. wählt zunächst einfache Anker: ihre Herkunftsstadt, ihr Studium, ihre Vorliebe für Kochen. Beim Benennen der großen Lebensphasen hält sie kurz inne und formuliert erstmals in der Gruppe, dass es ein "Davor" und ein "Danach" in ihrem Leben gebe. Dieser Schritt bleibt unkommentiert; die Therapeutin notiert ihn als Ausgangspunkt für die Narrativarbeit in den Folgesitzungen.
Was in der Gruppe schwer fällt: die eigene Geschichte erzählen
Wer sich einer Therapiegruppe anschließt, steht vor einer doppelten Aufgabe: sich zu zeigen und gleichzeitig nicht zu wissen, wie viel Raum die eigene Geschichte einnehmen darf. Viele Patienten haben noch nie ihre Lebensgeschichte als kohärentes Ganzes formuliert. Sie kennen Episoden, Brüche, Gefühle. Aber einen Faden zu spinnen, der Alter, Wohnort, Interessen und die großen Lebensphasen miteinander verbindet, ist eine klinisch anspruchsvolle Aufgabe.
In der Gruppentherapie kommt erschwerend hinzu, dass die Selbstöffnung gegenüber Fremden Scham, Rückzug oder das Gegenteil auslösen kann: ein unstrukturiertes Erzählen, das die Person selbst und die Gruppe überfordert. Ohne Rahmen bleibt die Vorstellung entweder zu dünn oder zu wenig selektiv. Genau hier entsteht der klinische Bedarf: ein konkretes, niedrigschwelliges Format, das dem Patienten Orientierung gibt, ohne zu begrenzen.
Dieses Bedürfnis nach Struktur zeigt sich auch in anderen Kontexten. Die Übung Die Herkunft meiner Überzeugungen: klinische Reflexionsübung adressiert denselben biografischen Kern, allerdings mit Fokus auf tiefen Glaubenssätzen. Wer mit dem Lebensnarrativ beginnen möchte, findet in der vorliegenden Übung den breiteren Einstieg.
Nutzen Sie diese Ressource mit Ihren Patienten
Merkblatt, Übungen und Materialien einsatzbereit, direkt in SessionFuel.
Die Übung besteht aus einer einzigen, sorgfältig formulierten Frage, die den Patienten einlädt, sich seiner Gruppe vorzustellen: wer er ist, wie alt er ist, wo er lebt, was ihm im Leben wichtig ist und welche großen Phasen seine Geschichte geprägt haben.
Diese Abbildung zeigt eine statische Vorschau der Übungsfrage. Die vollständige geführte Übung mit Eingabefeldern, patientenseitiger Anleitung und der Möglichkeit, sie in der Sitzung oder zwischen den Terminen zu nutzen, erlebt der Patient direkt in der App.
Diese Frage leistet strukturell mehr als eine bloße Vorstellungsrunde. Sie verbindet konkrete Lebenskoordinaten (Alter, Ort, Interessen) mit einer narrativen Dimension (die großen Phasen der Geschichte) und erlaubt so, den Patienten in seiner Gesamtheit in den Blick zu nehmen. In der Gruppenarbeit schafft das eine gemeinsame Ausgangsebene, bevor intensivere therapeutische Prozesse beginnen.
> Dieses Übungsformat steht Ihren Patienten über die Patientenapp von SessionFuel zur Verfügung: Sie weisen die Übung direkt in SessionFuel zu, und der Patient bearbeitet sie auf seinem Smartphone, sowohl in der Sitzung als auch zwischen den Terminen.
> À retenir: Eine einzige strukturierte Frage kann den Unterschied machen zwischen einer Vorstellungsrunde, die niemanden weiterbringt, und einem ersten kohärenten Lebensnarrativ, der die Gruppenarbeit auf ein stabiles Fundament stellt.
Klinische Bibliothek
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Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.
Der ideale Zeitpunkt ist die erste oder zweite Sitzung einer neuen Gruppe. Die Übung eignet sich als Vorbereitung auf die eigentliche Vorstellungsrunde: Der Patient bearbeitet die Frage vorab auf seinem Smartphone und kommt mit einem bereits geformten Text in die Sitzung. Das reduziert den Druck des Moments und erhöht die Qualität der Selbstdarstellung.
Sie kann auch zu Beginn einer Einzeltherapie eingesetzt werden, wenn Sie schnell einen Eindruck von der Lebensgeschichte des Patienten gewinnen möchten, ohne eine lange Anamnese zu strukturieren. Für Patienten, die Schwierigkeiten haben, sich selbst als Hauptfigur ihrer Geschichte zu sehen, etwa bei Neigung zum Impostor-Syndrom oder bei ausgeprägter Selbstkritik, bietet die Übung einen entlastenden Rahmen: Sie fragt nicht nach Leistungen, sondern nach dem Menschen.
Führen Sie die Übung kurz ein, zum Beispiel mit dem Hinweis, dass eine strukturierte Selbstvorstellung der Gruppe hilft, sich gegenseitig besser zu verstehen, und dass es kein richtig oder falsch gibt. Planen Sie im Anschluss Zeit für ein kurzes Debriefing in der Gruppe ein: Welche Phasen hat der Patient betont? Welche Lücken sind spürbar? Was löst das Erzählte beim Rest der Gruppe aus?
Die Übung ist niedrigschwellig, kulturell offen und ohne Vorwissen nutzbar. Genau das macht sie zu einem verlässlichen Einstiegswerkzeug, das im Gruppenkontext selten fehlen sollte.
Mobile App für Patienten
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Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.