Meine Werte: geführte Reflexionsübung für die Therapie
Eine geführte Frage hilft Patienten, Werte zu sich selbst, Familie und Freunden konkret zu benennen und therapeutisch nutzbar zu machen.
Klinische Fallbeispiele
Werteklärung bei anhaltender Antriebslosigkeit
Klinischer Kontext. Herr K., Mitte vierzig, stellt sich mit einer mittelgradigen depressiven Episode vor; er beschreibt ein diffuses Gefühl der Sinnlosigkeit und zieht sich zunehmend aus dem Familienalltag zurück. Der Therapeut leitet ihn an, die Reflexionsübung schriftlich zu bearbeiten: Welche Werte hat er gegenüber sich selbst, gegenüber seiner Familie, gegenüber seinen Freunden? Herr K. nennt zunächst nur allgemeine Begriffe wie Zuverlässigkeit, ringt dann aber sichtbar darum, konkrete Werte für sich selbst zu formulieren. Im Folgegespräch wird deutlich, dass er seinen eigenen Bedürfnissen kaum einen eigenständigen Stellenwert beimisst, was als Ausgangspunkt für die weitere therapeutische Arbeit genutzt wird.
Wertekonflikt nach beruflicher Neuorientierung
Klinischer Kontext. Frau M., Ende dreißig, kommt nach einem Stellenwechsel in die Beratung; sie berichtet von Unzufriedenheit und einem anhaltenden Gefühl, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Der Therapeut schlägt die Übung zur Wertereflexion vor, wobei Frau M. gebeten wird, ihre Werte bezogen auf sich selbst, ihre Familie und ihr Freundesumfeld schriftlich aufzulisten. Beim Vergleich der drei Bereiche bemerkt sie, dass Kreativität und Eigenverantwortung in ihrer aktuellen Tätigkeit kaum vorkommen, obwohl beide Werte für sie persönlich zentral sind. Diese Konkretisierung erleichtert im Anschluss die Unterscheidung zwischen realen Handlungsspielräumen und bislang ungeprüften Annahmen über die neue Stelle.
Was in der Arbeit mit Werten wirklich schwierig ist
Kaum ein Begriff wird in der Therapie so häufig genannt wie Werte und so selten wirklich greifbar gemacht. Patienten nicken, wenn man von Lebensausrichtung spricht. Doch wenn Sie fragen, welche Werte ihr Handeln eigentlich leiten, folgt meist ein langes Schweigen. Das Konzept wirkt abstrakt, fast philosophisch. Was fehlt, ist die konkrete Bewegung vom Abstrakten ins Persönliche.
Dazu kommt ein klinisch relevantes Phänomen: Viele Patienten spüren, dass etwas nicht stimmt in ihrem Alltag, ohne benennen zu können, was. Das ist häufig ein Wert-Handlungs-Misalignment. Wenn Handlungen systematisch von dem abweichen, was einem wirklich wichtig ist, entsteht innere Leere, Antriebslosigkeit oder ein diffuses Gefühl von Sinnverlust. Diese Diskrepanz in der Sitzung sprachlich einzufangen, kostet Zeit und gelingt nicht immer direkt. Eine strukturierte Übung schafft hier einen anderen Einstieg.
Die Arbeit mit Werten ist besonders relevant in ACT-basierten Ansätzen bei Depression, bei Patienten mit Motivationsverlust und überall dort, wo das therapeutische Ziel nicht nur Symptomentlastung, sondern Lebensausrichtung meint.
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Was die Übung enthält und wie sie die Arbeit stützt
Die Übung besteht aus einer einzigen, dreifach gegliederten Frage. Die einleitende Instruktion erinnert den Patienten daran, warum Werte wichtig sind: Sie tragen zur persönlichen Entwicklung bei, und Handlungen gewinnen erst dann vollständig an Bedeutung, wenn sie mit den eigenen Werten übereinstimmen. Auf dieser Grundlage wird der Patient gebeten, seine Werte in drei Beziehungsfeldern zu benennen:
Werte in Bezug auf sich selbst
Werte in Bezug auf die Familie
Werte in Bezug auf Freunde
Diese dreifache Gliederung ist klinisch entscheidend. Sie zwingt zu einer Differenzierung, die im Gespräch selten spontan entsteht. Manche Patienten entdecken dabei, dass ihre Werte je nach Beziehungskontext erheblich variieren, oder dass sie in einem Bereich gar keine klaren Werte formulieren können. Beides ist therapeutisch aufschlussreich.
Bitte beachten Sie: Dieses Bild ist eine statische Vorschau der Übungsfrage. Die vollständige geführte Übung mit Antwortfeldern, patientenseitigen Instruktionen und der Möglichkeit zur Nutzung in und zwischen den Sitzungen steht ausschließlich in der App zur Verfügung, nicht in diesem Bild.
> Diese Übung ist für Ihre Patienten über die Patientenapp von SessionFuel verfügbar: Sie weisen die Übung direkt zu, und Ihr Patient bearbeitet sie auf dem Smartphone, in der Sitzung oder zwischen den Terminen.
Als konkretes Werkzeug erlaubt die Übung, das Wertefeld eines Patienten vor der Sitzung zu kartieren, sodass Sie die Zeit in der Therapiestunde für die klinische Vertiefung nutzen können, anstatt zunächst mühsam zu eruieren, was dem Patienten überhaupt wichtig ist. Die ausgefüllte Übung wird zum Gesprächseinstieg.
> À retenir : Werte werden therapeutisch erst dann wirksam, wenn sie nicht nur benannt, sondern den eigenen Beziehungsfeldern zugeordnet und damit handlungsrelevant gemacht werden.
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Der ideale Einsatzzeitpunkt liegt früh in der Therapie, wenn Sie gemeinsam mit dem Patienten therapeutische Ziele formulieren. Die Übung liefert die Wertebasis, auf der Entwicklungsachsen und mittelfristige Ziele aufgebaut werden können. Sie passt auch gut als Vorbereitung auf eine Sitzung zu Lebensausrichtung oder Sinnverlust.
Besonders geeignet ist die Übung für Patienten, die:
diffuse Unzufriedenheit beschreiben, ohne einen konkreten Auslöser benennen zu können
Die Einführung in der Sitzung kann kurz sein: Sie erklären, dass Werte oft unbewusst handlungsleitend sind und dass das Benennen dieser Werte ein erster Schritt ist, um Handlungen bewusst auszurichten. Dann weisen Sie die Übung zu.
Im Debrief lohnt es sich, die drei Beziehungsfelder direkt zu vergleichen. Wo gibt es Überschneidungen? Wo Überraschungen? Wo fehlen Werte ganz? Diese Fragen öffnen in der Regel schnell eine produktive Reflexion. Ergänzend eignet sich die Übung Werte kultivieren, um aus benannten Werten konkrete Alltagshandlungen abzuleiten, oder die Übung Neue Überzeugung festigen, wenn kognitive Anpassungen nötig werden. Für Patienten, die ihren Werterahmen im Beziehungskontext vertiefen möchten, bietet sich Liebesleben reflektieren als ergänzende Ressource an.
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Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.