Mein Zukunftsinventar: Werte und Ziele in der Therapie klären
Eine geführte Reflexionsübung, die Patienten hilft, ideale Handlungen zu benennen und nach Zeitinvestition zu ordnen, um Werte therapeutisch nutzbar zu machen.
Klinische Fallbeispiele
Zeitinvestition als Wertekompass
Klinisches Bild. Frau T., Anfang vierzig, stellt sich mit einer mittelgradigen depressiven Episode vor; sie beschreibt seit Monaten das Gefühl, ihren Alltag nur noch zu verwalten, ohne zu wissen, wofür. Im Rahmen der Therapie erhält sie die schriftliche Übung "Mein Zukunftsinventar" als Hausaufgabe: Sie soll Handlungen notieren, die sie in einer idealen Welt ausüben würde, und diese nach dem Zeitanteil ordnen, den sie ihnen widmen möchte. Frau T. bringt beim nächsten Termin eine Liste mit sieben Punkten; auffällig ist, dass ehrenamtliche Arbeit mit Kindern ganz oben steht, obwohl sie diese Tätigkeit seit Jahren aufgegeben hat. Die Therapeutin nutzt diesen Befund, um gemeinsam mit ihr zu erarbeiten, welche Werte hinter diesem Wunsch stehen und welche konkreten Hindernisse den Wiedereinstieg bisher blockieren.
Diskrepanz zwischen Wunsch und Alltag
Klinisches Bild. Herr K., Mitte dreißig, befindet sich in einer Verhaltenstherapie wegen anhaltender Erschöpfung und diffuser Unzufriedenheit; eine Angststörung ist komorbid bekannt. Der Therapeut schlägt die Übung "Mein Zukunftsinventar" vor, um dem Patienten einen strukturierten Zugang zu seinen Werten zu ermöglichen, da freie Gesprächsformate für Herrn K. wenig ergiebig waren. Beim Ausfüllen der Frage nach zeitintensiven Wunschtätigkeiten notiert er an erster Stelle kreatives Schreiben, obgleich er im Gespräch bislang stets betont hatte, beruflicher Aufstieg sei sein Hauptziel. Diese Diskrepanz zwischen gelisteter Priorität und dem bisher formulierten Therapieziel gibt Anlass, die tatsächliche Wertestruktur neu zu gewichten und den Behandlungsplan entsprechend anzupassen.
Was in der Sitzung oft stecken bleibt
Viele Patienten können benennen, was sie belastet. Seltener wissen sie, was sie eigentlich wollen, und noch seltener, in welcher Reihenfolge. Das macht die Arbeit an Zielen und Werten schwierig: Abstrakte Fragen nach Lebensvisionen lösen Ratlosigkeit aus, keine Reflexion. Das Gespräch dreht sich im Kreis, oder Patienten antworten, was sie für sozial erwünscht halten.
Diese Übung setzt an einem anderen Punkt an. Sie fragt nicht nach Werten als Begriff, sondern nach konkreten Handlungen in einer idealen Welt, und verlangt gleichzeitig eine Priorisierung nach Zeitanteil. Diese Kombination erzeugt etwas, das Worte allein selten erreichen: ein sichtbares, geordnetes Bild davon, was dem Patienten wirklich wichtig ist. Das ist besonders hilfreich bei nachlassender Motivation in der Therapie, bei Hoffnungslosigkeit oder wenn Patienten sich fragen, wohin ihre Energie überhaupt fließen soll.
Nutzen Sie diese Ressource mit Ihren Patienten
Merkblatt, Übungen und Materialien einsatzbereit, direkt in SessionFuel.
Die Übung besteht aus einer einzigen, präzise formulierten Frage:
Hinweis: Dieses Bild ist eine statische Vorschau der Übungsfrage. Die vollständige geführte Übung, mit patientenseitiger Anleitung, Eingabefeldern und der Möglichkeit zur Nutzung in und zwischen den Sitzungen, wird ausschliesslich in der App erlebt, nicht in dieser Vorschau.
Die Frage verlangt zwei kognitive Operationen gleichzeitig: freies Generieren von Wunschhandlungen und Ordnen nach Zeitinvestition. Dieses Ordnen ist klinisch bedeutsam. Es zwingt den Patienten, implizite Prioritäten explizit zu machen, ohne dass der Therapeut direktiv eingreift. Was an erster Stelle steht, ist selten zufällig. Es ist genau dieses Material, das sich mit der Werte-Reflexionsübung oder der Übung zu Werte kultivieren weiterbearbeiten lässt.
> Diese Übung steht Ihren Patienten über die Patientenapp von SessionFuel zur Verfügung: Sie weisen die Übung in SessionFuel zu, und der Patient bearbeitet sie direkt auf dem Smartphone, in der Sitzung oder zwischen den Terminen.
> Zum Merken: Eine einzige geordnete Liste von Wunschhandlungen kann mehr über die tatsächlichen Werte eines Patienten aussagen als eine Stunde direkter Befragung.
Klinische Bibliothek
600+ klinische Werkzeuge
Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.
Diese Übung eignet sich besonders in Phasen der Orientierungslosigkeit: wenn Patienten wissen, dass sie unzufrieden sind, aber nicht, in welche Richtung sie sich bewegen wollen. Sie ist auch ein gutes Gegenmittel bei Entscheidungsblockaden und bei Patienten, die stark zwischen Berufs- und Privatleben zerrissen sind, ergänzend zur Work-Life-Balance-Reflexion oder zur Berufsbiografie-Übung.
Sie können sie auch im Rahmen einer ACT-basierten Arbeit einsetzen, etwa innerhalb eines ACT-Programms bei Depression, wenn die Werteklärung als eigenständige Phase ansteht.
So führen Sie die Übung ein: Ein einfacher Satz genügt, etwa: "Ich möchte Sie einladen, sich kurz vorzustellen, dass alle äusseren Hindernisse wegfallen. Welche Handlungen würden dann Ihre Zeit füllen, und welche am meisten?" Das öffnet den Raum, ohne Erwartungen zu setzen.
Das Ergebnis bringen Sie in die nächste Sitzung. Die Liste wird dann zum Ausgangspunkt: Was erscheint realistisch erreichbar? Was fehlt im Alltag fast vollständig? Das lässt sich direkt mit konkreter Wochenplanung und Verhaltensaktivierung verbinden oder mit der Übung Einen neuen Vorsatz umsetzen, wenn der Patient bereit ist, einen ersten Schritt zu formulieren.
Nutzen Sie es mit Ihren Patienten
Teilen Sie dieses Tool in der mobilen App und begleiten Sie die Arbeit zwischen den Sitzungen.
Bei Patienten mit beruflicher Erschöpfung lässt sich die Übung gezielt auf den Bereich Arbeit einengen, dann ergibt sich eine natürliche Verbindung zur Wochenbilanz im Beruf. Bei Paaren kann die gemeinsame oder getrennte Bearbeitung Wertekonflikte sichtbar machen, bevor sie bearbeitet werden, als Vorbereitung auf die Übung zu Blockaden im Paar. Die Offenheit der Frage macht sie für sehr unterschiedliche Profile anschlussfähig.
Mobile App für Patienten
Ihre Sitzung setzt sich in der Hosentasche Ihrer Patienten fort
Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.