Meine Woche planen: Verhaltensaktivierung bei Depression
Eine geführte Übung, die Patientinnen und Patienten hilft, konkrete Aktivitäten zu planen, Ängste zu benennen und Vermeidung zu überwinden.
Klinische Fallbeispiele
Wochenplanung bei schwerer Antriebslosigkeit
Klinischer Kontext. Frau K., Mitte vierzig, befindet sich seit acht Wochen in ambulanter Behandlung wegen einer mittelgradigen depressiven Episode; soziale Rückzugstendenzen stehen im Vordergrund. Die Therapeutin leitet sie durch die geführte Übung "Meine Woche planen" und bittet sie zunächst, eine einzige Aktivität zu benennen, die sie sich für die kommende Woche vorstellen kann. Frau K. nennt zögerlich einen kurzen Spaziergang am Dienstagvormittag, trägt ihn auf Nachfrage in den Wochenplan ein und gibt an, diesen allein unternehmen zu wollen, weil Gesellschaft sie noch überfordere. Auf die Frage nach Befürchtungen schildert sie die Angst, unterwegs in Tränen auszubrechen und sich zu schämen. Die Therapeutin validiert diese Sorge und vereinbart, beim nächsten Termin gemeinsam zu prüfen, was tatsächlich eingetreten ist.
Aktivierungsübung trotz Vermeidungsverhalten
Klinischer Kontext. Herr M., Ende dreißig, wird seit mehreren Monaten wegen einer rezidivierenden depressiven Störung behandelt; er hat Freizeitaktivitäten nahezu vollständig aufgegeben. Im Rahmen der Übung benennt er zwei Aktivitäten für die Woche: donnerstagabends Gitarre spielen und samstags mit einem Freund Kaffee trinken. Bei der Frage nach Uhrzeit und Wochentag fällt auf, dass er keine genauen Zeiten festlegen möchte, was der Behandler als typisches Vermeidungsmuster aufgreift. Herr M. notiert daraufhin konkrete Zeitfenster in seinem digitalen Wochenplan. Als Hauptbefürchtung nennt er, den Freund zu belasten, was als Gesprächsanlass für kognitive Umstrukturierung genutzt wird.
Der klinische Bedarf: Wenn Verstehen nicht reicht
Verhaltensaktivierung gehört zu den am besten belegten Ansätzen bei depressiven Störungen. Das Prinzip lässt sich in der Sitzung klar erklären: Aktivitäten aufbauen, Vermeidungsverhalten abbauen, den Teufelskreis unterbrechen. Das reicht oft nicht.
Das eigentliche Problem liegt in der Lücke zwischen Absicht und Umsetzung. Welche Aktivitäten konkret? An welchem Tag, zu welcher Uhrzeit? Allein oder mit jemandem? Und was hält die Person wirklich davon ab? Diese Fragen bleiben im Gespräch häufig schwebend. Patientinnen und Patienten verlassen die Sitzung mit einem guten Vorsatz und kehren eine Woche später mit einer leeren Woche zurück. Die Übung "Ich plane meine Woche!" setzt genau an dieser Stelle an: Sie führt den Patienten schrittweise von der allgemeinen Absicht zu einem umsetzbaren, zeitlich verankerten Plan.
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Merkblatt, Übungen und Materialien einsatzbereit, direkt in SessionFuel.
Die Übung besteht aus vier aufeinander aufbauenden Fragen. Das Bild unten listet diese Fragen in der Reihenfolge auf, in der sie dem Patienten begegnen. Dieses Bild ist eine statische Vorschau der Fragen. Die vollständige geführte Übung mit Eingabefeldern, patientenseitigen Erläuterungen und der Möglichkeit zur Nutzung in der Sitzung oder zwischen den Terminen ist ausschließlich in der App zugänglich und nicht in diesem Bild enthalten.
Die erste Frage benennt den therapeutischen Rahmen direkt: Aktivitäten starten und fortführen hilft, aus der Depression herauszukommen, und das erfordert Planung. Die Patientin oder der Patient wird gebeten, konkrete Aktivitäten für die laufende Woche zu nennen. Keine abstrakte Wunschliste, sondern ein zeitnahes, realitätsbezogenes Vorhaben.
Die zweite Frage verankert diese Aktivitäten im Kalender: Wochentag und Uhrzeit. Die Patientinnen und Patienten werden außerdem daran erinnert, die Aktivitäten in ihren Wochenplan einzutragen. Diese Verbindung zum Alltagsrhythmus erhöht die Umsetzungswahrscheinlichkeit erheblich.
Die dritte Frage erschließt die soziale Dimension: Ist die Aktivität allein oder in Begleitung geplant? Eine einfache Frage, die klinisch ergiebig ist. Rückzugstendenzen werden sichtbar, ebenso wie die Frage, ob soziale Unterstützung vorhanden oder erreichbar ist.
Die vierte Frage richtet den Blick auf Ängste und Befürchtungen gegenüber den geplanten Aktivitäten. Hier liegt der therapeutische Kern: Nicht die Planung allein entscheidet über die Umsetzung. Benannte Hindernisse lassen sich bearbeiten; unbenannte nicht.
> À retenir : Eine strukturierte Wochenplanung entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn Vermeidungsgedanken explizit gemacht werden. Die vierte Frage ist kein Anhang, sondern das Herzstück der Übung.
> Diese Übung steht Patientinnen und Patienten direkt über die Patienten-App von SessionFuel zur Verfügung: Die Therapeutin oder der Therapeut weist die Übung in SessionFuel zu, und der Patient bearbeitet sie auf dem Smartphone, sowohl gemeinsam in der Sitzung als auch eigenständig zwischen den Terminen.
Klinische Bibliothek
600+ klinische Werkzeuge
Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.
Die Übung eignet sich ab dem Moment, in dem Verhaltensaktivierung als therapeutische Richtung etabliert ist. Sie setzt kein umfangreiches Vorwissen voraus und kann frühzeitig eingesetzt werden, auch bei Patientinnen und Patienten mit ausgeprägtem Antriebsmangel.
Besonders naheliegend ist das Angebot in zwei Situationen: wenn der Patient in der Sitzung Vorhaben formuliert, die im Alltag nicht umgesetzt werden, oder wenn er von einer durchgehend leeren Woche berichtet, ohne Ansätze zu sehen, wie das änderbar wäre.
Eine mögliche Einführung: "Ich habe eine kurze Übung, die hilft, aus unserem Gespräch direkt einen Plan zu machen. Vier Fragen, die schrittweise konkreter werden. Möchten wir das gemeinsam durchgehen, oder nimmst du es als Aufgabe für diese Woche mit?"
Das Debriefing in der nächsten Sitzung knüpft direkt an die schriftlichen Antworten an. Die vierte Frage zu Ängsten und Befürchtungen liefert dabei besonders greifbares Material, ob für kognitives Arbeiten, für die Analyse von Vermeidungsmustern oder für die Abklärung fehlender sozialer Ressourcen.
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Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.