Das Parental Bonding Instrument (PBI) – hier in der Vaterversion – ist ein etabliertes retrospektives Messinstrument, das die elterliche Bindung in der…
Fragen
25
Dauer
10 Min.
Originaltitel
Parental Bonding Instrument — Père
Adaptation
Parental Bonding Instrument (PBI) – Vaterversion
Autoren
Parker, G., Tupling, H., & Brown, L. B.
Erstellt
1979
Das Parental Bonding Instrument (PBI) – hier in der Vaterversion – ist ein etabliertes retrospektives Messinstrument, das die elterliche Bindung in der Kindheit und Jugend aus der Perspektive des Erwachsenen erfasst. Entwickelt von Parker et al. (1979), hilft es Therapeutinnen und Therapeuten, die Herkunft tiefer Überzeugungen zu verstehen, welche häufig in engem Zusammenhang mit aktuellen psychopathologischen Beschwerden stehen.
Die systematische Erhebung der Dimensionen Fürsorge und Überbehütung ermöglicht es, das frühkindliche Beziehungsklima strukturiert abzubilden. Gerade bei Patientinnen und Patienten mit depressiven Episoden, Angststörungen oder Schwierigkeiten in der Beziehungsgestaltung liefert das PBI wertvolle Hinweise für die Therapieplanung. Es dient häufig als Brücke, um Patienten dabei zu unterstützen, dysfunktionale Emotionen zu erkennen und durch gesunde zu ersetzen.
Durch den Einsatz validierter Schwellenwerte bietet der Fragebogen eine fundiertere Basis als der rein klinische Eindruck. Er erleichtert die Identifikation dysfunktionaler Erziehungsstile und kann als wertvoller Einstieg genutzt werden, um das innere Erleben und die eigenen Grundüberzeugungen zu erkunden.
Beispielergebnis
Fiktives Ergebnis, aus einem Beispielsatz von Antworten berechnet.
Ein retrospektiver 25-Item-Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung der Wahrnehmung von Erwachsenen (ab 16 Jahren) bezüglich des von jedem Elternteil während der ersten 16 Lebensjahre erfahrenen Erziehungsstils. Er misst zwei grundlegende Dimensionen der elterlichen Bindung: Fürsorge (Wärme, Empathie, Zuneigung vs. Kälte/Zurückweisung, 12 Items) und Überbehütung/Kontrolle (Intrusivität, Autonomiebegrenzung vs. Förderung von Selbstständigkeit, 13 Items). Das PBI wird getrennt für die Mutter und den Vater vorgelegt, wodurch jeder Elternteil einem von vier Erziehungsstil-Quadranten zugeordnet werden kann: optimale Bindung, zuneigungsvolle Einengung, lieblose Kontrolle und schwache/fehlende Bindung.
Überbehütung × Fürsorge→ Lieblose Kontrolle
Überbehütung ≥ 12.5
Überbehütung < 12.5
Lieblose Kontrolle
Fürsorge 18 · Überbehütung 18
Zuneigungsvolle Einengung
Vernachlässigende Elternschaft
Optimale Elternschaft
Fürsorge < 24
Fürsorge ≥ 24
Parkers Raster für den Vater: Beide Dimensionen bleiben kontinuierlich; eine Positionierung nahe an einem Schwellenwert sollte mit Vorsicht interpretiert werden. Die Schwellenwerte unterscheiden sich zwischen Mutter (27,0 / 13,5) und Vater (24,0 / 12,5).
Parkers Schwellenwerte für den Vater: Fürsorge 24,0 / Überbehütung 12,5Parker et al. (1979)Zur Studie ↗
Fürsorge
18/ 36
Wahrgenommene Zuneigung, Wärme und Verständnis beim Vater während der ersten sechzehn Lebensjahre.
Items1, 2, 4, 5, 6, 11, 12, 14, 16, 17, 18, 24
0–23
Geringe wahrgenommene väterliche Fürsorge
18
24–36
Hoch wahrgenommene väterliche Fürsorge
Schwellenwert zur Identifikation berichteter geringer väterlicher Fürsorge.
Überbehütung
18/ 39
Wahrgenommene Kontrolle und Autonomiebegrenzung beim Vater während der ersten sechzehn Lebensjahre.
Das Parental Bonding Instrument erfasst retrospektiv die Qualität der väterlichen Beziehungsgestaltung während der ersten 16 Lebensjahre. Die Beurteilung erfolgt anhand von zwei voneinander unabhängigen Hauptdimensionen, die zentrale Aspekte des frühkindlichen Bindungserlebens abbilden.
Fürsorge (Care): Misst das Ausmaß an wahrgenommener emotionaler Wärme, Empathie und elterlicher Unterstützung im Gegensatz zu emotionaler Kälte und Gleichgültigkeit.
Überbehütung (Overprotection): Erfasst das Ausmaß an elterlicher Kontrolle, Intrusion und Einschränkung der Autonomie im Gegensatz zur Förderung von Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.
Der Fragebogen richtet sich an erwachsene Patientinnen und Patienten und wird in der Regel im Rahmen der biografischen Anamnese eingesetzt, bevor Therapeutinnen und Therapeuten im späteren Prozess mit ihnen Grundüberzeugungen klären.
Wann und warum einsetzen
Das PBI wird primär in der frühen Phase der Psychotherapie eingesetzt, um biografische Belastungsfaktoren strukturiert zu erheben. Es eignet sich besonders für Konstellationen, in denen frühe Bindungserfahrungen die aktuelle Symptomatik maßgeblich aufrechterhalten.
Biografische Anamnese: Zur systematischen Erfassung der Kindheitserfahrungen und der Beziehungsqualität zum Vater.
Identifikation von Risikofaktoren: Erkennen des Profils der "kontrollierenden Ablehnung", welches stark mit affektiven Störungen und starkem Perfektionismus im Erwachsenenalter korreliert.
Therapeutische Beziehungsgestaltung: Verständnis des Übertragungsangebots des Patienten, insbesondere wenn in der Therapie ein starkes Kontrollbedürfnis oder rigide Abhängigkeitsmuster deutlich werden.
Psychoedukation: Hilft Patienten, den historischen Zusammenhang zwischen ihrem elterlichen Klima und heutigen limitierenden Überzeugungen zu verstehen.
Die Verwendung validierter Cut-off-Werte ergänzt den klinischen Eindruck um eine standardisierte Einschätzung, die es erleichtert, dysfunktionale Muster objektiv zu benennen und gezielt in den Behandlungsfokus zu rücken.
Klinische Bibliothek
750+ klinische Werkzeuge
Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.
Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.