Life-Orientation-Test-Revised (LOT-R)

Der Life-Orientation-Test-Revised (LOT-R) ist ein validiertes, ökonomisches psychometrisches Verfahren, das den dispositionellen Optimismus und Pessimismus…

Life-Orientation-Test-Revised (LOT-R)
Fragen
10
Dauer
3 Min.
Originaltitel
Life Orientation Test Revised
Adaptation
Life-Orientation-Test-Revised (LOT-R)
Autoren
Scheier, M. F., Carver, C. S., & Bridges, M. W.
Erstellt
1994

Der Life-Orientation-Test-Revised (LOT-R) ist ein validiertes, ökonomisches psychometrisches Verfahren, das den dispositionellen Optimismus und Pessimismus einer Person erfasst. Dispositioneller Optimismus beschreibt die generalisierte Erwartung, dass in der Zukunft mehr positive als negative Ereignisse eintreten werden. Diese grundlegende Haltung hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Individuen mit Stress, somatischen Erkrankungen oder therapeutischen Herausforderungen umgehen. Klinisch ist das Konstrukt hochrelevant, da optimistische Erwartungshaltungen mit adaptiveren Bewältigungsstrategien, höherer Resilienz und einem geringeren Risiko für affektive Dysregulationen assoziiert sind.

Für Behandler bietet der LOT-R eine zuverlässige Basis, um die kognitive Grundausrichtung des Patienten objektiv zu quantifizieren. Dies hilft, therapeutische Ansätze präziser zu steuern und die Ressourcenorientierung zu stärken. Solche Kernschemata beeinflussen die Therapie maßgeblich, weshalb es sich oft lohnt, diese tiefliegenden Grundüberzeugungen im Vorfeld zu klären. Da das Instrument wiederholbar und kurz ist, eignet es sich zudem hervorragend, um langfristige Veränderungen der Grundüberzeugungen im Behandlungsverlauf abzubilden. Die vorliegende deutsche Adaptation zeichnet sich durch exzellente psychometrische Eigenschaften aus.

Beispielergebnis

Fiktives Ergebnis, aus einem Beispielsatz von Antworten berechnet.

Gesamtwert
13/ 24
Der LOT-R ist ein 10-Item-Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung des dispositionellen Optimismus, definiert als die allgemeine und stabile Tendenz einer Person, günstige zukünftige Ergebnisse zu erwarten. Er besteht aus Items zur Erfassung von Optimismus, Pessimismus (die invertiert ausgewertet werden) sowie neutralen Items (Füllitems), die nicht in den Gesamtwert einfließen. Der Gesamtwert spiegelt das Ausmaß des allgemeinen Optimismus wider.
13
024
Auswertung
Summe, Gesamtwert von 0 bis 24, jedes Item wird auf einer 5-stufigen Skala (von 0 bis 4) bewertet.
Publizierte Prozentränge (Schou-Bredal 2017, Tabelle 3)
Gesamtwert (hoch = optimistisch)Rohwert 13n = 1773Perzentil 8.1
P4.6
12
P13.9
14
P23.2
15
P46.4
17
P72.6
19
P88.5
21
P96.8
23
P98.9
24
024
OptimismusRohwert 7n = 1773Perzentil 3.5
P0.6
5
P3.5
7
P25
9
P60.7
10
P84.6
11
P96.4
12
012
Pessimismus (hoch = pessimistisch)Rohwert 6n = 1773Perzentil 71.6
P3.6
0
P10.8
1
P30.9
3
P58.9
5
P82.3
7
P94.4
9
P99.5
12
012
Publizierte Prozentränge aus Tabelle 3, von den Autoren für die Gesamtstichprobe berechnet (nicht nach Geschlecht oder Alter aufgeschlüsselt). Der exakte Prozentrang des Patientenwerts wird rechts angezeigt (direktes Nachschlagen in der Tabelle, keine Interpolation); die Quelle publiziert auch T-Werte (Mittelwert 50, Standardabweichung 10), die hier nicht aufgeführt sind. Zeile Pessimismus: Der Wert des Patienten wird in die publizierte Richtung zurückgerechnet (12 − Wert, da unsere Items invertiert skaliert sind) – exakte Transformation. Für Gesamtwerte von 0–1 gibt es keinen publizierten Prozentrang (keine Probanden).
Schou-Bredal et al. (2017)Zur Studie
Normen der Allgemeinbevölkerung (Schou-Bredal 2017)
Geschlecht
Alter
Gesamtwert (0–24, hoch = optimistisch)13
généraleMänner · 18–30 Jahre · n = 74 · Schou-Bredal et al. (2017)
024
13
M = 17.4 ± 2.8
Optimismus (0–12)7
généraleMänner · 18–30 Jahre · n = 74 · Schou-Bredal et al. (2017)
012
7
M = 9.8 ± 1.2
Pessimismus (0–12, hoch = pessimistisch)6
généraleMänner · 18–30 Jahre · n = 74 · Schou-Bredal et al. (2017)
012
6
M = 4.4 ± 2.4
Mittelwerte und Standardabweichungen aus Tabelle 2 (repräsentative Stichprobe der norwegischen Allgemeinbevölkerung, N = 1 792 Erwachsene), nach Geschlecht und Altersgruppe, für den Gesamtwert (0–24, hoch = optimistischer), Optimismus (0–12) und Pessimismus (0–12, hoch = pessimistischer). Bei unserer Auswertung werden die Pessimismus-Items für die Gesamtwertberechnung invertiert: Der Vergleichswert des Patienten in der Zeile Pessimismus wird daher in die publizierte Richtung zurückgerechnet (12 − Wert) – exakte Transformation, keine Schätzung. Tabelle 2 enthält keine Angaben zu Optimismus und Pessimismus für die Zeile „Frauen, alle Altersgruppen“.
Schou-Bredal et al. (2017)Zur Studie

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Was der Test misst

Der LOT-R erfasst die allgemeine kognitive Disposition, mit der eine Person zukünftigen Ereignissen begegnet. Dabei differenziert das Instrument zwischen der positiven (Optimismus) und der negativen Erwartungshaltung (Pessimismus), die als relativ stabile Persönlichkeitsmerkmale gelten.

  • Positive Zukunftserwartung: Die Tendenz, auch in unvorhersehbaren Situationen auf ein günstiges Ergebnis zu vertrauen, was eng mit der Fähigkeit verknüpft ist, Ungewissheit zu tolerieren.
  • Negative Antizipation: Die Neigung, Hindernisse oder Rückschläge als unausweichlich anzusehen, was oft mit einem Hang zum Katastrophisieren einhergeht.
  • Widerstandsfähigkeit: Das Maß an kognitiver Flexibilität und Zuversicht, das bei der Bewältigung von psychosozialen Krisen mobilisiert werden kann.

Das Instrument eignet sich hervorragend für erwachsene Patienten in der klinischen Praxis, der Psychotherapie sowie der medizinischen Rehabilitation.

Wann und warum einsetzen

Der Einsatz des LOT-R empfiehlt sich, wenn die kognitive Grundhaltung eines Patienten den Therapieverlauf oder die Krankheitsbewältigung maßgeblich beeinflusst.

  • Eingangsdiagnostik: Um die Ausgangsbasis der generellen Erwartungshaltung zu erfassen und eventuelle Behandlungsbarrieren frühzeitig zu erkennen.
  • Therapieplanung bei Chronifizierung: Um das Risiko von Resignation oder Hoffnungslosigkeit bei anhaltenden somatischen oder psychischen Leiden besser abzuschätzen.
  • Ressourcenaktivierung: Um vorhandene optimistische Tendenzen aufzudecken und für den therapeutischen Prozess explizit nutzbar zu machen.
  • Verlaufskontrolle: Um kognitive Umstrukturierungen langfristig zu evaluieren, besonders wenn Patienten lernen, automatische Gedanken zu erkennen und zu ersetzen.

Der validierte Gesamtwert ergänzt den klinischen Eindruck um ein objektives Maß der kognitiven Disposition und erleichtert die systematische Identifikation von vulnerablen Mustern in der Erwartungshaltung.

Klinische Bibliothek

750+ klinische Werkzeuge

Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.

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Die Fragen

  1. Bitte geben Sie an, inwieweit Ihre Meinung mit den folgenden Aussagen übereinstimmt. Seien Sie so ehrlich und genau wie möglich. Versuchen Sie, Ihre Antwort auf eine Aussage nicht durch Ihre Antworten auf andere Aussagen beeinflussen zu lassen. Es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Antworten.
    1. In unsicheren Zeiten erwarte ich für gewöhnlich das Beste.
    Dieses Item erfasst das grundsätzliche Vertrauen des Patienten in einen positiven Ausgang bei mangelnder Vorhersagbarkeit.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
  2. 2. Es fällt mir leicht, mich zu entspannen.
    Dieses Füll-Item evaluiert die allgemeine Entspannungsfähigkeit und dient methodisch der Auflockerung des spezifischen Testfokus.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
  3. 3. Wenn für mich etwas schiefgehen kann, dann geht es auch schief.
    Hier wird eine fatalistische, pessimistische Grundannahme hinsichtlich des eigenen Schicksals und potenzieller Fehlschläge erhoben.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
  4. 4. Ich bin immer optimistisch, was meine Zukunft angeht.
    Dieses Item misst die direkte, bewusste Zuversicht des Patienten bezüglich seiner weiteren persönlichen Lebensperspektive.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
  5. 5. Ich schätze meine Freunde sehr.
    Ein weiteres Füll-Item, das die soziale Einbettung und das interpersonelle Wohlbefinden des Patienten kurz streift.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
  6. 6. Es ist mir wichtig, beschäftigt zu bleiben.
    Durch dieses Füll-Item wird das Bedürfnis nach Aktivität adressiert, ohne dass es in die klinische Testwertung eingeht.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
  7. 7. Ich erwarte fast nie, dass die Dinge so laufen, wie ich es gerne hätte.
    Dieses Item zielt auf die allgemeine Frustrationstoleranz und die kognitive Erwartung von Enttäuschungen ab.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
  8. 8. Ich werde nicht allzu leicht wütend.
    Ein methodisches Füll-Item, das sich auf die wahrgenommene emotionale Stabilität in Stresssituationen bezieht.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
  9. 9. Ich erwarte selten, dass mir Gutes widerfährt.
    Hier wird die Abwesenheit von positiven Antizipationen und damit eine Kernfacette des dispositionellen Pessimismus erfasst.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
  10. 10. Insgesamt erwarte ich, dass mir mehr Gutes als Schlechtes widerfährt.
    Das abschließende Item bündelt die generelle kognitive Bilanzierung von zu erwartenden positiven gegenüber negativen Lebensereignissen.
    • Trifft überhaupt nicht zu
    • Trifft eher nicht zu
    • Neutral
    • Trifft eher zu
    • Trifft voll und ganz zu
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