Fragebogen zur Messung beruflicher Gratifikationskrisen (ERI)
Der Effort-Reward-Imbalance-Fragebogen (ERI) in der 23-Item-Kurzversion ist ein zentrales standardisiertes Instrument zur Erfassung beruflicher Belastungen…
Fragebogen zur Messung beruflicher Gratifikationskrisen (ERI)
Autoren
Siegrist, J., Starke, D., Chandola, T., Godin, I., Marmot, M., Niedhammer, I., & Peter, R.
Erstellt
2004
Der Effort-Reward-Imbalance-Fragebogen (ERI) in der 23-Item-Kurzversion ist ein zentrales standardisiertes Instrument zur Erfassung beruflicher Belastungen und Gratifikationskrisen. Basierend auf dem Modell von Johannes Siegrist bewertet der Test das Verhältnis zwischen der individuellen Arbeitsverausgabung und der dafür erhaltenen Belohnung. Ein chronisches Ungleichgewicht – eine hohe Verausgabung bei geringer Anerkennung, Bezahlung oder Arbeitsplatzsicherheit – ist ein Risiko für Erschöpfung und Burnout, was oft die Notwendigkeit nach sich zieht, den erlebten Arbeitsdruck systematisch zu bearbeiten.
Für Kliniker bietet der ERI ein verlässliches quantitatives Maß, um Stressfaktoren präzise zu benennen. Das Instrument geht über eine rein extrinsische Analyse hinaus und erfasst mit der Dimension der Verausgabungsneigung (Overcommitment) auch die individuelle kognitiv-motivationale Reaktionstendenz. Dies ist besonders relevant, wenn Patienten Schwierigkeiten haben, sich von belastenden Gedanken abzugrenzen, und gezielt ihre Grübelspiralen bewältigen müssen.
Der Fragebogen lässt sich als effizientes Screening bei erwachsenen Patienten mit Erschöpfungssymptomatik einsetzen. Seine Anwendung macht Belastungsfaktoren greifbar, sei es um Enttäuschungen und erfahrene Ungerechtigkeit zu reflektieren oder therapeutische Fortschritte sichtbar zu machen.
Beispielergebnis
Fiktives Ergebnis, aus einem Beispielsatz von Antworten berechnet.
Gesamtwert
0.851/ 4
Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung psychosozialer Arbeitsbelastung, abgeleitet aus dem Modell von Johannes Siegrist. Er erfasst drei Dimensionen: extrinsische Verausgabung (durch die Organisation auferlegte Belastungen und Anforderungen), berufliche Belohnungen (Wertschätzung, Karriere-/Aufstiegschancen, Arbeitsplatzsicherheit, Gehalt) und Überengagement (intrinsische Verausgabung, übersteigertes Engagement, Schwierigkeit, von der Arbeit abzuschalten). Nützlich zur Identifizierung einer chronischen Exposition gegenüber psychosozialen Risiken, zur Dokumentation von arbeitsplatzbezogenem Distress und zur Abklärung klinischer Bilder von beruflicher Erschöpfung, Burnout oder arbeitsbezogener ängstlich-depressiver Symptomatik bei erwerbstätigen Erwachsenen.
0.851
0.254
Auswertung
Summe pro Subskala + Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis, Gesamtwert von 0.25 bis 4, jedes Item wird auf einer 4-Punkte-Skala bewertet (von 1 bis 4).
Das Gleichgewicht zwischen Verausgabung und Belohnung bleibt erhalten, aber das berufliche Engagement ist weiterhin übermäßig: Schwierigkeiten, von der Arbeit abzuschalten, Anstrengung über das von der Situation geforderte Maß hinaus aufrechterhalten. Im Modell ist diese Belastung intrinsisch: Sie geht vom Bewältigungsstil aus und nicht von den Arbeitsbedingungen.
Höchstes Risiko – Doppelbelastung
Beide Belastungen kommen zusammen: Die Belohnungen kompensieren die Verausgabung nicht, und ein übermäßiges Engagement verhindert die Distanzierung. Dies ist die Kombination, welcher das Siegrist-Modell das höchste Gesundheitsrisiko zuschreibt. Dieser Fragebogen basiert auf Selbstauskunft und stellt keine Diagnose dar: Dieses Ergebnis rechtfertigt ein klinisches Interview.
Niedriges Risiko
Verausgabung und Belohnung sind ausgewogen, ohne übermäßiges berufliches Engagement. Dies ist die Konfiguration, die das Modell mit den günstigsten Gesundheitsindikatoren assoziiert und bei der eine Erholung nach der Arbeit möglich bleibt.
Die erbrachte Verausgabung übersteigt die wahrgenommenen Belohnungen (Wertschätzung, Perspektiven, Sicherheit, Gehalt), ohne persönliches Überengagement. Im Modell ist diese Belastung extrinsisch: Sie resultiert daraus, was die Arbeitssituation im Gegenzug für die erbrachte Leistung bietet.
Gratifikationskrise (ERI-Ratio) < 1
Gratifikationskrise (ERI-Ratio) ≥ 1
Die Schnittmenge beider Achsen entspricht der ursprünglichen Interpretation des Modells: Gratifikationskrise und Überengagement sind zwei unterschiedliche Belastungsquellen, und ihre Kombination ist am schädlichsten. Personen mit hohen Werten auf den ERI-Skalen weisen in 12 von 14 Analysen signifikant erhöhte Odds Ratios für einen schlechten Gesundheitszustand auf.
ERI-Ratio > 1: Die erbrachte Verausgabung übersteigt die wahrgenommene Belohnung (6/11-Korrektur für die Itemanzahl). Überengagement ≥ 17 von 24: optimaler Cut-off-Wert nach Lehr et al. (2010) basierend auf dem Youden-Index.Siegrist et al. (2004)Zur Studie ↗
ERI = Summe der Verausgabung (6–24) ÷ [Summe der Belohnung (11–44) × 6/11]. Der Faktor 6/11 korrigiert den Unterschied in der Itemanzahl. Überengagement (6–24) wird separat interpretiert (empirischer Cut-off > 16, Lehr 2010).
Extrinsische Verausgabung
13/ 24
Arbeitsanforderungen und -belastungen: Zeitdruck, Arbeitsvolumen, Unterbrechungen, Verantwortung.
Items1, 2, 3, 4, 5, 6
13
624
Belohnungen
28/ 44
Wahrgenommene Belohnungen als Gegenleistung für die Arbeit: Wertschätzung, Aufstiegschancen, Gehalt und Arbeitsplatzsicherheit.
Der ERI-Fragebogen erfasst psychosozialen Stress am Arbeitsplatz, indem er die Wechselwirkung zwischen äußeren Arbeitsanforderungen und inneren Bewältigungsmustern analysiert. Dabei stützt sich das Instrument auf drei zentrale Dimensionen:
Verausgabung (Effort): Extrinsische Belastungen wie hoher Zeitdruck, häufige Unterbrechungen, physische Anstrengung und zunehmende Verantwortung.
Belohnung (Reward): Die Aspekte der beruflichen Gratifikation, namentlich Gehalt und Aufstieg, Arbeitsplatzsicherheit sowie die erfahrene Anerkennung und Wertschätzung.
Verausgabungsneigung (Overcommitment): Die intrinsische Komponente, welche ein übersteigertes Leistungsstreben und mangelndes Abschalten am Abend abbildet, oft begleitet von der Notwendigkeit, Gedankenfluten konkret zu unterbrechen.
Das Verfahren ist für berufstätige Erwachsene konzipiert, die chronische Stressreaktionen oder erste Burnout-Symptome aufweisen und bei denen eine strukturierte affektive Regulation indiziert ist.
Wann und warum einsetzen
Der ERI-Fragebogen wird in der psychotherapeutischen Praxis und Arbeitsmedizin eingesetzt, um berufliche Belastungsfaktoren systematisch zu evaluieren und Behandlungsziele zu definieren. Konkrete Indikationen umfassen:
Erfassung der Ausgangsbelastung: Zur objektiven Einschätzung der Situation bei Patienten mit Burnout-Symptomatik, bei denen man begleitend belastenden Ärger bearbeiten möchte.
Differenzialdiagnostische Klärung: Um zu erkennen, ob die Erschöpfung primär durch objektive Arbeitsbedingungen oder durch intrinsische Faktoren ausgelöst wird, bei denen Patienten zu viel persönliche Schuld übernehmen.
Therapiemonitoring: Um Veränderungen in der subjektiven Belastung oder beim Abbau der Verausgabungsneigung im Behandlungsverlauf messbar zu machen, beispielsweise durch das Kultivieren von Resilienz.
Indikation für Reha-Maßnahmen: Zur strukturierten Begründung von präventiven oder medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitationsmaßnahmen (MBOR).
Ein standardisierter ERI-Wert quantifiziert das Ausmaß der Gratifikationskrise und die intrinsische Verstrickung weitaus trennschärfer als der reine klinische Eindruck und liefert validierte Risikoschwellen für Behandlungsentscheidungen.
Klinische Bibliothek
750+ klinische Werkzeuge
Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.
Die folgenden Fragen beziehen sich auf Ihre Arbeit. Bitte geben Sie für jede Aussage an, inwieweit Sie zustimmen oder nicht zustimmen, indem Sie die Antwort wählen, die am besten auf Ihre aktuelle Situation zutrifft. Bitte beantworten Sie alle Fragen.
1. Aufgrund einer hohen Arbeitsbelastung stehe ich ständig unter Zeitdruck.
Evaluiert die Wahrnehmung chronischer Überlastung und zeitlicher Enge durch ein zu hohes Arbeitsvolumen.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
2. Ich werde bei meiner Arbeit häufig unterbrochen und gestört.
Beleuchtet das Ausmaß störender Unterbrechungen, die den Arbeitsfluss und die Konzentration beeinträchtigen.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
3. Ich habe bei meiner Arbeit viel Verantwortung.
Erfasst die subjektive Last, die durch berufliche Verantwortung und Entscheidungsgewalt entsteht.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
4. Ich bin oft gezwungen, Überstunden zu machen.
Misst den extrinsischen Druck, die reguläre Arbeitszeit durch Mehrarbeit auszuweiten.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
5. Meine Arbeit ist körperlich anstrengend.
Prüft das Vorliegen körperlich beanspruchender Tätigkeitsmerkmale im Arbeitsalltag.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
6. In den letzten Jahren ist meine Arbeit immer anspruchsvoller geworden.
Adressiert die langfristige Zunahme von beruflichen Anforderungen und Leistungsstandards.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
7. Ich erhalte von meinen Vorgesetzten den Respekt, den ich verdiene.
Evaluiert die erlebte soziale Anerkennung und Wertschätzung durch Vorgesetzte.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
8. Ich erhalte von meinen Kolleginnen und Kollegen den Respekt, den ich verdiene.
Erfasst das Ausmaß der sozialen Akzeptanz und des Respekts im Kollegenkreis.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
9. Bei der Arbeit erhalte ich in schwierigen Situationen zufriedenstellende Unterstützung.
Misst die Verfügbarkeit sozialer und instrumenteller Unterstützung in krisenhaften Arbeitssituationen.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
10. Ich werde bei meiner Arbeit ungerecht behandelt.
Prüft das Empfinden mangelnder prozeduraler oder interpersoneller Gerechtigkeit im Betrieb.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
11. Ich erlebe gerade eine unerwünschte Veränderung meiner Arbeitssituation oder erwarte eine solche.
Erfasst die antizipierte oder aktuell erlebte Verschlechterung der beruflichen Umstände.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
12. Meine Aufstiegschancen sind gering.
Beleuchtet die empfundene Chancenlosigkeit in Bezug auf die eigene Karriereentwicklung.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
13. Die Sicherheit meines Arbeitsplatzes ist gefährdet.
Evaluiert die wahrgenommene Bedrohung des eigenen Beschäftigungsverhältnisses (Arbeitsplatzunsicherheit).
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
14. Meine jetzige berufliche Position entspricht gut meiner Ausbildung.
Misst die wahrgenommene Kongruenz zwischen dem eigenen Qualifikationsniveau und der aktuellen Tätigkeit.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
15. Angesichts all meiner Bemühungen erhalte ich bei meiner Arbeit den Respekt und die Wertschätzung, die ich verdiene.
Setzt die erbrachte Leistung direkt in Relation zur allgemein erfahrenen sozialen Wertschätzung.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
16. Angesichts all meiner Bemühungen sind meine Aufstiegschancen zufriedenstellend.
Setzt den individuellen Einsatz in Relation zu den realisierbaren Aufstiegschancen.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
17. Angesichts all meiner Bemühungen ist mein Gehalt zufriedenstellend.
Prüft die subjektive Angemessenheit der monetären Belohnung für die geleistete Arbeit.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
18. Bei der Arbeit stehe ich häufig unter Zeitdruck.
Erfasst die intrinsische Tendenz, subjektiv schnell in zeitliche Bedrängnis und Stress zu geraten.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
19. Ich beginne schon morgens beim Aufstehen, über Probleme bei der Arbeit nachzudenken.
Misst die kognitive Präsenz von beruflichen Konflikten bereits beim Start in den Tag.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
20. Wenn ich nach Hause komme, kann ich leicht abschalten und alles, was mit der Arbeit zu tun hat, vergessen.
Evaluiert die psychologische Distanzierungsfähigkeit und das Abschalten in der Freizeit.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
21. Meine Angehörigen sagen, dass ich mich für meine Arbeit zu sehr aufopfere.
Prüft, ob das berufliche Engagement aus Sicht des sozialen Umfelds ein dysfunktionales Ausmaß erreicht hat.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
22. Die Arbeit geht mir noch im Kopf herum, wenn ich ins Bett gehe.
Beleuchtet die abendliche Rumination über arbeitsbezogene Inhalte, die das Einschlafen erschwert.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
23. Wenn ich etwas, das ich am selben Tag erledigen sollte, auf später verschiebe, fällt es mir schwer, abends einzuschlafen.
Erfasst die starke emotionale Involvierung, bei der unerledigte Aufgaben zu unmittelbaren Schlafstörungen führen.
Stimme überhaupt nicht zu
Stimme nicht zu
Stimme zu
Stimme voll und ganz zu
Mobile App für Patienten
Ihre Sitzung setzt sich in der Hosentasche Ihrer Patienten fort
Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.