Die Revised Child Anxiety and Depression Scale für Kinder und Jugendliche (RCADS-C) ist ein umfassendes, klinisch etabliertes Selbsteinschätzungsinstrument. Sie wurde entwickelt, um die häufigsten internalisierenden Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter strukturiert zu erfassen. Dazu gehören spezifische Dimensionen wie Trennungsangst, soziale Phobie, generalisierte Angst, Panik, Zwangssymptome und depressive Verstimmungen.
Für Behandelnde bietet die RCADS-C eine differenzierte Angst-Bestandsaufnahme, die es erlaubt, das genaue Profil der emotionalen Belastung nachzuzeichnen. Durch die enge Anlehnung der Items an die diagnostischen Kriterien des DSM können Sie als Klinikerin oder Kliniker zielgerichtet Schwerpunkte für die therapeutische Arbeit ableiten und sich ein fundiertes Bild der Gesamtsymptomatik machen.
Dank ihrer hohen psychometrischen Güte eignet sich die Skala hervorragend als wiederholbare Messung im Verlauf einer Behandlung. Wenn Patientinnen und Patienten beispielsweise lernen, problematische Automatische Verhaltensweisen wie Vermeidungs- oder Kontrollstrategien abzubauen, macht die RCADS-C den Rückgang der Symptombelastung objektiv sichtbar. Sie stärkt somit die gemeinsame Fallkonzeption und hilft Ihnen, die Behandlungsschritte kontinuierlich auf die aktuellen Bedürfnisse des Kindes oder Jugendlichen abzustimmen.
Die RCADS-C erfasst die Ausprägung und Häufigkeit emotionaler Symptome auf Basis anerkannter klinischer Kriterien für Angst und Depression.
- Trennungsangst: Die Furcht vor der Trennung von Bezugspersonen, dem Alleinsein oder die Sorge um das Wohlergehen der Familie.
- Soziale Phobie: Angstgefühle in Bewertungssituationen, die Sorge vor Peinlichkeit oder die Vermeidung sozialer Interaktionen.
- Zwangssymptomatik: Wiederkehrende, belastende Gedankenbilder sowie der Drang, bestimmte Rituale zur Unglücksvermeidung wiederholt auszuführen.
- Paniksymptome: Plötzliche körperliche Angstreaktionen wie Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder Zittern ohne offensichtlichen äußeren Anlass.
- Generalisierte Angst: Übermäßige, unkontrollierbare Sorgen über die Zukunft oder persönliche Fehler, die oft als Katastrophisieren imponieren.
- Depressivität: Anhaltende Traurigkeit, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und ein Gefühl der eigenen Wertlosigkeit.
Das Instrument richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 18 Jahren und bietet Behandelnden ein präzises Bild der symptombezogenen Belastung.
Der Einsatz der RCADS-C empfiehlt sich in verschiedenen Phasen der klinischen Begleitung, um internalisierende Symptome systematisch einzuordnen und therapeutisch nutzbar zu machen.
- Eingangsdiagnostik: Um bei unklarem Vorstellungsanlass systematisch zwischen verschiedenen Angstfacetten und depressiven Anteilen zu differenzieren.
- Verlaufsmonitoring: Um Therapieeffekte, beispielsweise nach dem Einsatz von Verhaltensaktivierung, objektiv messbar zu machen und den Fortschritt zu visualisieren.
- Psychoedukativer Einstieg: Um dem Patienten die Vielschichtigkeit seiner Beschwerden aufzuzeigen und einen Ausgangspunkt zu schaffen, an dem sich eine Gedankenflut unterbrechen und strukturieren lässt.
- Fokussetzung in der Therapie: Um zu entscheiden, ob primär depressionsspezifische Interventionen oder eher Expositionsverfahren bei Vermeidungsverhalten angezeigt sind.
Ein strukturierter Summenwert bietet einen klaren, verlaufsbezogenen Vergleichsmaßstab, der die oft diffuse klinische Einschätzung um eine standardisierte Selbstaussage des Jugendlichen ergänzt.
Bitte gib für jeden Satz an, was am besten beschreibt, wie häufig diese Aussage auf dich zutrifft. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.
1. Ich mache mir Sorgen über verschiedene Dinge.
Erfragt die allgemeine Neigung des Kindes, sich Sorgen zu machen.
2. Ich fühle mich traurig oder leer.
Erfasst das grundlegende Gefühl von Depressivität und innerer Leere.
3. Wenn ich ein Problem habe, habe ich ein komisches Gefühl im Magen.
Prüft somatische Reaktionen, die bei Problemen oder Stressreizen im Magenbereich auftreten.
4. Ich mache mir Sorgen, wenn ich glaube, etwas schlecht gemacht zu haben.
Beleuchtet leistungsspezifische Ängste und die Sorge vor eigenem Versagen.
5. Ich habe Angst, allein zu Hause zu sein.
Untersucht die furchtbesetzte Erwartung, ohne Bezugspersonen im häuslichen Umfeld zu sein.
6. Nichts macht mir mehr Spaß.
Erfragt den Verlust von Freude und Interesse an ansonsten angenehmen Aktivitäten.
7. Ich habe Angst, wenn ich eine Prüfung habe.
Ermittelt die Ausprägung von Prüfungsängsten in schulischen Leistungssituationen.
8. Ich mache mir Sorgen, wenn ich denke, dass jemand wütend auf mich ist.
Fokussiert auf die zwischenmenschliche Sensibilität und Angst vor Zurückweisung.
9. Ich mache mir Sorgen bei dem Gedanken, weit weg zu sein.
Erfasst Trennungsängste im Hinblick auf räumliche Distanz zur vertrauten Umgebung.
10. Ich werde von schlimmen oder unsinnigen Gedanken oder Bildern in meinem Kopf geplagt.
Prüft das Vorhandensein intrusiver, als unpassend erlebter kognitiver Vorstellungen.
11. Ich habe Schwierigkeiten beim Schlafen.
Fragt nach schlafbezogenen Schwierigkeiten, die häufig mit internalisierendem Stress einhergehen.
12. Ich mache mir Sorgen, meine Schularbeiten schlecht zu machen.
Untersucht Sorgen, die sich spezifisch auf die schulische Leistungsfähigkeit beziehen.
13. Ich mache mir Sorgen, dass einem Familienmitglied etwas Schreckliches zustößt.
Zielt auf katastrophisierende Befürchtungen bezüglich der Sicherheit von Familienmitgliedern ab.
14. Ich habe plötzlich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, ohne dass es einen Grund dafür gibt.
Erfragt unvermittelt auftretende respiratorische Paniksymptome ohne erkennbaren Auslöser.
15. Ich habe Appetitprobleme.
Erfasst Veränderungen im Essverhalten, insbesondere den Verlust des Appetits.
16. Ich muss ständig überprüfen, ob ich Dinge richtig gemacht habe (z. B. ob ein Gerät ausgeschaltet oder die Tür abgeschlossen ist).
Prüft kontrollierendes Zwangsverhalten im Sinne von wiederholten Überprüfungen.
17. Ich habe Angst, wenn ich ganz allein schlafen muss.
Beleuchtet die Furcht davor, die nächtliche Schlafsituation ohne Begleitung bewältigen zu müssen.
18. Es fällt mir schwer, morgens zur Schule zu gehen, weil ich nervös oder ängstlich bin.
Erfragt schulbezogenes Vermeidungsverhalten, das durch morgendliche Angst oder Anspannung bedingt ist.
19. Ich habe für nichts Energie.
Untersucht das für Depressionen typische Gefühl von Energiemangel und Erschöpfung.
20. Ich mache mir Sorgen, lächerlich auszusehen.
Fokussiert auf die soziale Ängstlichkeit und die Furcht, vor anderen peinlich zu wirken.
21. Ich bin sehr müde.
Erfasst das generelle Erleben von starker Müdigkeit und Abgeschlagenheit.
22. Ich mache mir Sorgen, dass mir schlimme Dinge zustoßen könnten.
Zielt auf eine generalisierte, unbestimmte Erwartung negativer Ereignisse ab.
23. Ich habe das Gefühl, die schlimmen oder unsinnigen Gedanken nicht aus meinem Kopf vertreiben zu können.
Prüft das Gefühl, aufdrängende negative Kognitionen nicht eigenständig abwehren zu können.
24. Wenn ich ein Problem habe, schlägt mein Herz sehr schnell.
Erfragt kardiovaskuläre Stressreaktionen in problematischen Situationen.
25. Ich kann nicht klar denken.
Untersucht kognitive Beeinträchtigungen, wie die Schwierigkeit, einen klaren Gedanken zu fassen.
26. Ich fange plötzlich ohne Grund an zu zittern.
Erfasst unerwartet auftretendes, motorisches Zittern als somatisches Korrelat der Panik.
27. Ich mache mir Sorgen, dass mir etwas Schlimmes passieren könnte.
Beleuchtet katastrophisierende Zukunftsängste in Bezug auf die eigene Unversehrtheit.
28. Wenn ich ein Problem habe, zittere ich.
Fragt nach motorischer Unruhe oder Zittern bei direkter Konfrontation mit Problemen.
29. Ich fühle mich wertlos.
Erfragt depressive Kognitionen hinsichtlich des eigenen Selbstwerts.
30. Ich mache mir Sorgen, Fehler zu machen.
Zielt auf perfektionistische Sorgen und die Angst vor Fehlern ab.
31. Ich muss an bestimmte Gedanken (wie Zahlen oder Wörter) denken, um zu verhindern, dass etwas Schlimmes passiert.
Prüft das Vorliegen neutralisierender mentaler Zwangshandlungen zur Unheilsabwendung.
32. Ich mache mir Sorgen darüber, was andere über mich denken.
Erfasst die Sorge um die Beurteilung und Wahrnehmung durch andere Menschen.
33. Ich habe Angst an überfüllten Orten (wie Einkaufszentren, Kinos, Bussen oder vollen Schulhöfen).
Untersucht agoraphobische Tendenzen und die Furcht vor dicht gedrängten Menschenmengen.
34. Ich verspüre plötzlich ohne Grund eine intensive Angst.
Erfragt das abrupte Einsetzen massiver Angstzustände ohne nachvollziehbare Ursache.
35. Ich mache mir Sorgen darüber, was passieren wird.
Beleuchtet das antizipatorische Sorgen über zukünftige, noch ungewisse Ereignisse.
36. Mir wird plötzlich ohne Grund schwindelig oder schwach.
Prüft das plötzliche Auftreten von Schwindel oder Schwäche als Teil einer Panikreaktion.
37. Ich denke an den Tod.
Erfasst Gedanken, die um das Thema Sterben und Tod kreisen.
38. Ich habe Angst, wenn ich vor der Klasse sprechen muss.
Zielt auf soziale Performanzängste beim Sprechen vor einer größeren Gruppe, wie der Klasse.
39. Mein Herz fängt plötzlich ohne Grund an, zu schnell zu schlagen.
Erfragt aus heiterem Himmel einsetzendes Herzrasen als klassisches Paniksymptom.
40. Ich habe das Gefühl, mich nicht bewegen zu wollen.
Untersucht den depressiven Antriebsverlust und die Schwere, in Aktion zu treten.
41. Ich mache mir Sorgen, plötzlich Angst zu bekommen, obwohl es nichts zu befürchten gibt.
Fokussiert auf die Erwartungsangst davor, plötzlich von Panik überwältigt zu werden.
42. Ich muss bestimmte Dinge immer wieder tun (wie Händewaschen, Putzen oder Dinge in eine bestimmte Reihenfolge bringen).
Prüft repetitive, verhaltensbezogene Zwangshandlungen, die stereotyp wiederholt werden müssen.
43. Ich habe Angst davor, vor anderen Leuten lächerlich auszusehen.
Erfasst die spezifische soziale Phobie, sich vor anderen herabzusetzen oder lächerlich zu machen.
44. Ich muss bestimmte Dinge auf eine ganz bestimmte Weise tun, um zu verhindern, dass etwas Schlimmes passiert.
Untersucht rigide, magisch geprägte Verhaltensregeln zur Vermeidung von Katastrophen.
45. Ich mache mir Sorgen, wenn ich abends ins Bett gehe.
Fragt nach ängstlichen Sorgen oder Unruhe, die typischerweise vor dem Einschlafen auftreten.
46. Ich hätte Angst, wenn ich auswärts übernachten müsste.
Beleuchtet die Trennungsangst bei externen Übernachtungen ohne die primären Bezugspersonen.
47. Ich fühle mich unruhig.
Erfasst das Gefühl von psychomotorischer Agitiertheit oder innerer Rastlosigkeit.