Der 16-Item Prodromal Questionnaire (PQ-16) ist ein essenzielles psychometrisches Werkzeug in der Früherkennung psychotischer Erkrankungen.
Fragen
16
Dauer
5 Min.
Originaltitel
PQ-16 — Prodromal Questionnaire
Adaptation
Prodromal Questionnaire-16 (PQ-16)
Autoren
Ising, H. K., Veling, W., Loewy, R. L., Rietveld, M. W., Rietdijk, J., Dragt, S., Klaassen, R. M. C., Nieman, D. H., Wunderink, L., Linszen, D. H., & van der Gaag, M.
Erstellt
2012
Der 16-Item Prodromal Questionnaire (PQ-16) ist ein essenzielles psychometrisches Werkzeug in der Früherkennung psychotischer Erkrankungen. Dieses Screening-Instrument wurde entwickelt, um attenuierte psychotische Symptome (APS) sowie die damit verbundene emotionale Belastung bei hilfesuchenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu erfassen. Durch die Fokussierung auf subklinische Phänomene ermöglicht der PQ-16 eine präzise klinische Triage. Die Integration des Fragebogens in die Frühintervention kann dabei sinnvoll durch eine psychoedukative Grundlagenvermittlung flankiert werden, um das Störungsverständnis der Betroffenen frühzeitig zu fördern.
In der Praxis hilft das Instrument dabei, Personen mit einem erhöhten Psychoserisiko effizient zu identifizieren. Der Test differenziert nicht nur das Vorhandensein ungewöhnlicher Wahrnehmungen oder Denkinhalte, sondern gewichtet auch den individuellen Leidensdruck. Dies ist klinisch besonders wertvoll, da erst die Kombination aus Symptomlast und Distress eine aussagekräftige Indikation für ein weiterführendes klinisches Interview liefert.
Als validiertes Maß ergänzt der Fragebogen die klinische Einschätzung um eine standardisierte Komponente. Er schließt die Lücke zwischen unspezifischen Vorboten und manifesten Symptomen. Im differenzialdiagnostischen Prozess lassen sich so psychoseferne Phänomene, etwa im Rahmen der Bearbeitung von übermäßigen Selbstvorwürfen bei schweren Depressionen, sicherer von echten Prodromalsymptomen abgrenzen.
Beispielergebnis
Fiktives Ergebnis, aus einem Beispielsatz von Antworten berechnet.
Gesamtwert
12/ 16
Der PQ-16 ist ein kurzer Selbstbeurteilungs-Screeningfragebogen für abgeschwächte psychoseähnliche Erfahrungen (Wahrnehmungsanomalien, ungewöhnliche Denkinhalte, Negativsymptome) für hilfesuchende Jugendliche und junge Erwachsene. Er dient der Früherkennung von Personen mit einem klinischen Risikozustand (Ultra High Risk / CHR) oder einer beginnenden Psychose, um sie einer standardisierten klinischen Erfassung (z. B. CAARMS) und Frühintervention zuzuführen. Er umfasst 16 Richtig/Falsch-Items; jedes mit „Richtig“ beantwortete Item wird anschließend auf einer Belastungsskala von 0 bis 3 eingestuft.
0–5
Unterhalb des Screening-Schwellenwerts
6–16
Positives Screening auf Psychoserisiko
12
Schwellenwert für die Weiterleitung zu einem strukturierten diagnostischen Interview bei einer hilfesuchenden erwachsenen Population.
ⓘZur Information
Cut-off≥ 6Positives Screening auf ein Psychoserisiko
Schwellenwert für die Weiterleitung zu einem strukturierten diagnostischen Interview bei einer hilfesuchenden erwachsenen Population.
Festgelegter Schwellenwert für 12–17-Jährige in kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlung, bei denen abgeschwächte psychotische Erfahrungen häufiger auftreten.
Summe der bejahten Items (Symptomwert 0–16) und Summe der Belastungswerte (0–48), Gesamtwert von 0 bis 16, jedes Item wird auf einer 5-Punkte-Skala (von 0 bis 4) bewertet.
Negativsymptome
1/ 2
Negativsymptome, namentlich sozialer Rückzug und Antriebsverlust.
Items1, 7
1
02
Wahrnehmungsanomalien / Halluzinationen
7/ 9
Wahrnehmungsanomalien und halluzinatorische Erfahrungen.
Items2, 3, 4, 6, 8, 9, 12, 13, 16
7
09
Ungewöhnliche Denkinhalte / Wahnideen / Paranoia
4/ 5
Ungewöhnliche Denkinhalte, wahnhafte Ideen und Paranoia.
Items5, 10, 11, 14, 15
4
05
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Der PQ-16 misst das Vorliegen und die subjektive Belastung durch subklinische psychotische Erlebnisse. Er bildet ein Spektrum an Symptomen ab, die häufig der Entwicklung einer manifesten Psychose vorausgehen und oft mit belastenden Kognitionen einhergehen, welche später beispielsweise über die kognitive Umstrukturierung automatischer Gedanken therapeutisch adressiert werden können.
Wahrnehmungsanomalien: Erfassung von visuellen, akustischen oder olfaktorischen Illusionen und subklinischen Halluzinationen.
Ungewöhnliche Denkinhalte: Identifikation von Beziehungsideen, magischem Denken, Verfolgungsideen und paranoiden Tendenzen.
Negativsymptomatik: Bewertung von sozialem Rückzug, Desinteresse und exzessiver sozialer Angst.
Subjektiver Distress: Quantifizierung des Leidensdrucks, der durch die positiv beantworteten Items ausgelöst wird.
Dieses Instrument richtet sich in erster Linie an hilfesuchende Jugendliche und junge Erwachsene, bei denen aufgrund unspezifischer Verhaltensänderungen eine Früherkennungsdiagnostik indiziert ist.
Wann und warum einsetzen
Der Einsatz des PQ-16 empfiehlt sich vor allem im Rahmen von Triage-Prozessen und Früherkennungsprogrammen in psychiatrischen oder psychologischen Anlaufstellen. Er dient primär als Weichensteller für die weiterführende Diagnostik.
Initiale Abklärung: Dient als effizienter Filter, um bei neuen Patientinnen und Patienten ein potenzielles Psychoserisiko frühzeitig und niederschwellig zu erkennen.
Spezifische Früherkennung: Ermöglicht die rechtzeitige Identifikation von Risikopersonen im Ultra-High-Risk Stadium, die zwingend von einer spezialisierten Diagnostik profitieren.
Verlaufskontrolle: Hilft dabei, die Intensität attenuierter Symptome über die Zeit zu beobachten, ähnlich wie eine regelmäßige Standortbestimmung in der Therapie andere emotionale Entwicklungen sichtbar macht.
Entscheidungsunterstützung: Bietet einen quantifizierbaren Schwellenwert zur Indikationsstellung für aufwendigere, strukturierte klinische Interviews wie das CAARMS oder das SIPS.
Im Gegensatz zum reinen klinischen Eindruck liefert der PQ-16 einen validierten Cut-off-Wert, der das Risiko einer Unter- oder Überdiagnostik subklinischer Symptome erheblich reduziert.
Klinische Bibliothek
750+ klinische Werkzeuge
Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.
Die folgenden Fragen beziehen sich auf ungewöhnliche Erfahrungen oder Empfindungen, die manche Menschen gemacht haben könnten. Bitte geben Sie für jede Aussage an, ob sie für Sie Richtig oder Falsch ist. Wenn Sie mit „Richtig“ antworten, geben Sie bitte anschließend an, wie viel Angst oder Beunruhigung Sie empfunden haben (Keine / Leicht / Mäßig / Stark).
1. Ich fühle mich gleichgültig gegenüber Dingen, die ich normalerweise schätze.
Dieses Item erfasst den Verlust an Freude und Motivation, ein Kernmerkmal der psychotischen Negativsymptomatik.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
2. Ich habe oft das Gefühl, Ereignisse genau so zu erleben, wie sie schon einmal stattgefunden haben (Déjà-vu).
Diese Frage zielt auf veränderte Realitätswahrnehmungen im Sinne ausgeprägter, irritierender Déjà-vu-Erlebnisse ab.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
3. Manchmal rieche oder schmecke ich Dinge, die andere nicht wahrnehmen können.
Hierbei wird das Vorhandensein olfaktorischer oder gustatorischer Wahrnehmungstäuschungen geprüft.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
4. Ich höre oft ungewöhnliche Geräusche wie Klopfen, Klicken, Pfeifen, Knallen oder Klingeln in meinen Ohren.
Dieses Item beleuchtet unspezifische, elementare akustische Anomalien, die oft Vorläufer von komplexeren Halluzinationen sind.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
5. Ich bin manchmal verwirrt, weil ich nicht weiß, ob ein Erlebnis real oder eingebildet war.
Die Frage erfasst die zunehmende Schwierigkeit der Person, die Grenzen zwischen innerem Erleben und äußerer Realität zu unterscheiden.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
6. Wenn ich eine Person ansehe oder mich im Spiegel betrachte, habe ich gesehen, wie sich das Gesicht direkt vor meinen Augen verändert hat.
Hiermit werden visuelle Verzerrungen und Fehlwahrnehmungen der eigenen Identität oder anderer Personen identifiziert.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
7. Ich fühle mich sehr ängstlich, wenn ich Menschen zum ersten Mal treffe.
Dieses Item evaluiert eine übersteigerte soziale Ängstlichkeit, die häufig mit einem beginnenden sozialen Rückzug einhergeht.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
8. Ich habe schon Dinge gesehen, die andere Personen anscheinend nicht sehen können.
Die Frage prüft explizit das Vorliegen visueller Halluzinationen oder Illusionen.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
9. Meine Gedanken sind manchmal so laut, dass ich sie fast hören kann.
Hier wird die Phänomenologie des Gedankenlautwerdens als Ausdruck einer formalen Denkstörung oder Ich-Störung untersucht.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
10. Ich sehe manchmal besondere Bedeutungen in Werbeanzeigen, Schaufenstern oder in der Art, wie Dinge um mich herum angeordnet sind.
Dieses Item deckt das Vorhandensein von magischem Denken und überwertigen Beziehungsideen auf.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
11. Manchmal hatte ich das Gefühl, keine Kontrolle über meine eigenen Ideen oder Gedanken zu haben.
Diese Frage zielt auf das Erleben von Gedankeneingebung oder Gedankenkontrolle, klassische Anzeichen einer Ich-Störung.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
12. Manchmal fühle ich mich plötzlich von entfernten Geräuschen abgelenkt, die ich normalerweise nicht wahrnehme.
Hiermit wird eine pathologische Ablenkbarkeit durch irrelevante externe Reize erfasst, was auf eine Reizfilterstörung hindeutet.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
13. Ich habe Dinge gehört, die andere nicht hören können, wie zum Beispiel Stimmen von Menschen, die flüstern oder sprechen.
Dieses Item untersucht das Vorhandensein komplexer akustischer Halluzinationen in Form von Stimmenhören.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
14. Ich habe oft das Gefühl, dass andere gegen mich sind.
Die Frage erfasst Misstrauen und beginnende paranoide oder Verfolgungsideen.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
15. Ich hatte das Gefühl, dass mich Personen oder Kräfte umgeben, obwohl ich niemanden sehen konnte.
Hierbei wird das Gefühl einer unsichtbaren Präsenz überprüft, was oft mit Wahnstimmungen assoziiert ist.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
16. Ich habe das Gefühl, dass sich Teile meines Körpers auf eine bestimmte Weise verändert haben oder dass einige Teile meines Körpers anders als früher funktionieren.
Dieses Item zielt auf somatische Halluzinationen oder bizarre hypochondrische Befürchtungen bezüglich des eigenen Körpers ab.
Falsch
Richtig – keine Belastung
Richtig – leichte Belastung
Richtig – mäßige Belastung
Richtig – starke Belastung
Mobile App für Patienten
Ihre Sitzung setzt sich in der Hosentasche Ihrer Patienten fort
Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.