Hamilton-Angst-Skala (HAM-A)

Die Hamilton-Angst-Skala (HAM-A) ist eines der am häufigsten eingesetzten Fremdbeurteilungsverfahren zur systematischen Erfassung von Angstzuständen bei…

Hamilton-Angst-Skala (HAM-A)
Fragen
14
Dauer
20 Min.
Originaltitel
HAM-A — Hamilton Anxiety Rating Scale
Adaptation
Hamilton-Angst-Skala (HAM-A)
Autoren
Hamilton, M.
Erstellt
1959

Die Hamilton-Angst-Skala (HAM-A) ist eines der am häufigsten eingesetzten Fremdbeurteilungsverfahren zur systematischen Erfassung von Angstzuständen bei Erwachsenen. Sie ermöglicht Klinikern, den Schweregrad einer Angstsymptomatik quantitativ zu bestimmen und unterscheidet dabei differenziert zwischen psychischen und somatischen Beschwerden. Das klinische Interview liefert ein umfassendes Bild der Belastung, das über reine Selbsteinschätzungen hinausgeht.

Der standardisierte Aufbau des Instruments ist besonders wertvoll, um den Therapieverlauf zu objektivieren. Durch die regelmäßige Anwendung können Veränderungen im Symptombild von kognitiven Sorgen bis hin zu vegetativer Erregung präzise nachverfolgt werden. Ein solches Vorgehen unterstützt nicht nur die Therapieplanung, sondern hilft auch, die Wirksamkeit von Interventionen systematisch zu überprüfen. Wenn Fachpersonen mit ihren Klienten eine Angstbearbeitung in der Therapie: strukturierte Reflexionsübung durchführen, bietet der HAM-A-Score eine verlässliche Metrik, um den Fortschritt greifbar zu machen.

Da die HAM-A eine breite Palette an Angstsymptomen abdeckt, liefert sie wertvolle Ansatzpunkte, um gezielt psychoedukative Maßnahmen anzubieten. So kann beispielsweise im Anschluss an die Diagnostik das Grundlagen psychischer Gesundheit: Psychoedukationsprogramm integriert werden, um Patienten ein tieferes Verständnis für ihre körperlichen und emotionalen Reaktionen zu vermitteln.

Beispielergebnis

Fiktives Ergebnis, aus einem Beispielsatz von Antworten berechnet.

Gesamtwert
26/ 56
Die HAM-A ist eine fremdbeurteilte Ratingskala, die im Anschluss an ein halbstrukturiertes Interview bewertet wird und zur Erfassung des Schweregrads von Angstsymptomen bei Erwachsenen dient. Sie umfasst 14 Items, welche die psychische Angst (ängstliche Stimmung, Anspannung, Ängste, Schlaflosigkeit, kognitive Symptome, depressive Stimmung, Verhalten während des Interviews) und die somatische Angst (muskuläre, sensorische, kardiovaskuläre, respiratorische, gastrointestinale, urogenitale und vegetative Symptome) beurteilen. Sie wird in der klinischen Praxis und Forschung weithin eingesetzt, insbesondere zur Bewertung der Wirksamkeit therapeutischer und pharmakologischer Interventionen.
0–7
Keine oder minimale Angst
8–14
Leichte Angst
15–23
Mittelschwere Angst
24–56
Schwere Angst
26
Schweregrad, wie er typischerweise bei Patienten zu finden ist, die in Studien zur generalisierten Angststörung eingeschlossen sind.
Auswertung
Summe (Gesamtwert und Werte der psychischen/somatischen Subskalen), Gesamtwert im Bereich von 0 bis 56, jedes Item bewertet auf einer 5-Punkte-Skala (von 0 bis 4).
Psychische Angst
13/ 28
Psychische Komponente der Angst: Anspannung, Besorgnis, Ängste, Stimmung und Verhalten.
Items 1, 2, 3, 4, 5, 6, 14
13
028
Somatische Angst
13/ 28
Körperliche Manifestationen der Angst: Muskelspannung, sensorische, kardiovaskuläre, respiratorische, gastrointestinale, urogenitale und vegetative Symptome.
Items 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13
13
028

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Was der Test misst

Die HAM-A quantifiziert die Gesamtschwere der Angstsymptomatik, indem sie verschiedene Dimensionen der Angst systematisch abbildet. Dies erlaubt eine feingliedrige Beurteilung, die sowohl das emotionale Erleben als auch die körperlichen Begleiterscheinungen umfasst.

  • Psychische Angst: Erfasst kognitive und emotionale Aspekte wie ängstliche Erwartungen, innere Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten und das Gefühl der Überforderung. Hierbei erweist sich auch eine Angst-Bestandsaufnahme: regelmäßige Standortbestimmung in der Therapie als nützlich, um die psychische Belastung gemeinsam auszuwerten.
  • Spezifische Ängste: Dokumentiert das Vorliegen situativer oder objektbezogener Befürchtungen, etwa vor Menschenmengen oder dem Alleinsein.
  • Somatische Angst (muskulär und sensorisch): Beurteilt muskuläre Verspannungen, Schreckhaftigkeit, Zittern sowie sensorische Phänomene wie Hitzewallungen oder Tinnitus.
  • Vegetative Reaktionen: Beobachtet die kardiovaskulären, respiratorischen und gastrointestinalen Symptome, die klassischerweise mit einer Übererregung des vegetativen Nervensystems einhergehen.
  • Verhalten im Interview: Berücksichtigt den klinischen Eindruck von Anspannung, Mimik und motorischer Unruhe während des Gesprächs. Diese körperlichen Manifestationen weisen oft darauf hin, dass Module wie Automatische Verhaltensweisen psychoedukativ bearbeiten hilfreich sein könnten, um Dysregulationen entgegenzuwirken.

Das Instrument richtet sich primär an erwachsene Patienten, bei denen der Verdacht auf eine Angststörung besteht oder die bereits diagnostiziert wurden, unabhängig vom spezifischen Subtyp der Erkrankung.

Wann und warum einsetzen

Die Skala kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine strukturierte, fremdbeurteilte Einschätzung der Angstsymptomatik erforderlich ist. Sie bietet sich besonders an, um die subjektiven Schilderungen des Patienten durch eine professionelle klinische Beobachtung zu ergänzen.

  • Initiale Diagnostik (Baseline): Bietet eine umfassende Bestandsaufnahme der Symptomlast zu Beginn der Behandlung und dient als Basis für die weitere Therapieplanung.
  • Verlaufs- und Ergebnismessung: Ermöglicht durch wiederholte Vorgabe eine präzise Überwachung der therapeutischen Wirksamkeit im Zeitverlauf.
  • Differenzierung der Symptome: Hilft dabei, das individuelle Profil aus somatischen und psychischen Komponenten zu schärfen, um gezielte Interventionen wie die Kurze Verankerungsmeditation: Präsenz im Hier und Jetzt stärken optimal abzuleiten.
  • Entspannungsbedarf evaluieren: Zudem hilft die genaue Erfassung von körperlicher Anspannung dabei zu entscheiden, ob entspannungsfördernde Verfahren, wie beispielsweise die Abgekürzte Progressive Muskelrelaxation: Klinisches Audio, frühzeitig in den Behandlungsplan integriert werden sollten.

Ein validierter Score bietet gegenüber dem reinen klinischen Eindruck den entscheidenden Vorteil, dass Veränderungen zuverlässig und vergleichbar messbar werden. Dies verhindert systematische Beurteilungsfehler und stärkt die Entscheidungssicherheit im therapeutischen Prozess.

Klinische Bibliothek

750+ klinische Werkzeuge

Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.

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Auf einen Blick verstehen
Interaktive Übungen
Zum Durchführen und Ausfüllen
Interaktive Programme
Ein strukturierter Weg
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Meditation und Entspannung
Psychometrische Tests
Automatische Auswertung

Die Fragen

  1. Vom Kliniker im Anschluss an ein halbstrukturiertes Interview auszufüllen. Beurteilen Sie für jeden der 14 Items die globale Intensität des Symptoms im kürzlichen Zeitraum (in der Regel die letzte Woche) auf einer Skala von 0 (nicht vorhanden) bis 4 (maximal / invalidisierend), unter Berücksichtigung von Häufigkeit, Intensität und funktioneller Beeinträchtigung.
    1. Ängstliche Stimmung: Sorgen, Erwartung des Schlimmsten, ängstliche Befürchtungen (furchtvolle Antizipation), Reizbarkeit.
    Dieses Item erfasst die kognitive und emotionale Grundstimmung der Angst, einschließlich Sorgen und Reizbarkeit.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  2. 2. Anspannung: Spannungsgefühle, Ermüdbarkeit, Schreckreaktionen, schnelles Weinen, Zittern, Gefühl, nicht stillsitzen zu können, Unfähigkeit, sich zu entspannen.
    Hierbei wird die körperliche und psychische Anspannung sowie die Unfähigkeit des Patienten zur Entspannung beurteilt.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  3. 3. Ängste: vor Dunkelheit, vor Fremden, vor dem Alleinsein, vor Tieren, vor Verkehr, vor Menschenmengen.
    Die Beurteilung zielt auf spezifische situative oder objektbezogene Phobien ab, die das Alltagsleben beeinträchtigen.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  4. 4. Schlaflosigkeit: Einschlafschwierigkeiten, unterbrochener Schlaf, nicht erholsamer Schlaf mit Müdigkeit beim Aufwachen, beunruhigende Träume, Albträume, Nachtschreck.
    Dieses Item dokumentiert Schlafstörungen in all ihren Facetten, von Einschlafproblemen bis hin zu Albträumen.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  5. 5. Intellektuelle (kognitive) Funktionen: Konzentrationsschwierigkeiten, schlechtes Gedächtnis.
    Es werden kognitive Einbußen wie Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten bewertet, die häufig mit hoher Angst einhergehen.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  6. 6. Depressive Stimmung: Interessenverlust, mangelnde Freude an Hobbys, Depression, frühes Erwachen, Stimmungsschwankungen im Tagesverlauf.
    Hier wird das mögliche Vorhandensein einer begleitenden depressiven Symptomatik und von Interessenverlust erfasst.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  7. 7. Somatische muskuläre Symptome: Schmerzen und Gliederschmerzen, Muskelzuckungen, Steifheit, klonische Muskelzuckungen, Zähneknirschen, unsichere Stimme, erhöhter Muskeltonus.
    Dieses Item fokussiert sich auf muskuläre Beschwerden und Verspannungen als direkten physischen Ausdruck der Angst.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  8. 8. Somatische sensorische Symptome: Ohrensausen, verschwommenes Sehen, Hitzewallungen oder Kälteschauer, Schwächegefühle, Kribbelgefühle.
    Erfasst werden sensorische Missempfindungen wie Tinnitus, Schwächegefühle oder Hitzewallungen.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  9. 9. Kardiovaskuläre Symptome: Tachykardie, Herzklopfen, Schmerzen in der Brust, Pulsieren der Gefäße, Ohnmachtsgefühle, Extrasystolen.
    Dieses Item beurteilt kardiovaskuläre Reaktionen, die häufig im Rahmen vegetativer Übererregung auftreten.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  10. 10. Respiratorische Symptome: Schweregefühl auf der Brust oder Engegefühl, Erstickungsgefühle, Seufzer, Atemnot.
    Hierbei werden atembezogene Symptome wie Hyperventilation oder das Gefühl der Atemnot dokumentiert.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  11. 11. Gastrointestinale Symptome: Schluckbeschwerden, Luftschlucken, Verdauungsstörungen (Dyspepsie), Schmerzen vor oder nach dem Essen, Brennen, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Magenknurren, Durchfall, Gewichtsverlust, Verstopfung.
    Erfasst werden Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, die oft als somatisches Korrelat starker Stressbelastung auftreten.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  12. 12. Urogenitale Symptome: häufiger oder starker Harndrang, Amenorrhoe, Menorrhagie, Entwicklung von Frigidität, vorzeitige Ejakulation, fehlende Erektion, Impotenz.
    Dieses Item dokumentiert urogenitale Beschwerden und Einschränkungen der Sexualfunktion im Kontext der Angsterkrankung.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  13. 13. Symptome des autonomen Nervensystems (neurovegetativ): trockener Mund, Erröten, Blässe, Neigung zum Schwitzen, Schwindel, Spannungskopfschmerzen, Gänsehaut (Horripilation).
    Hier wird die allgemeine neurovegetative Reaktivität, wie Schwitzen, Blässe oder Mundtrockenheit, bewertet.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
  14. 14. Verhalten während des Gesprächs: angespannt, unruhig, nervöse Unruhe der Hände (Nesteln, Ballen der Fäuste), Zittern, gerunzelte Stirn, angespannte Mimik, seufzende oder schnelle Atmung, Blässe im Gesicht, Schlucken, Aufstoßen, lebhafte Sehnenreflexe, Mydriasis, Exophthalmus, Schwitzen, Augenlidflattern.
    Die Fremdbeurteilung des Verhaltens während des Gesprächs objektiviert den klinischen Eindruck von Unruhe und vegetativer Erregung.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mittel
    • Stark
    • Maximal / behindernd
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