Eigene Erfolge würdigen: geführte Übung für die Therapie

Wie drei strukturierte Fragen Patienten helfen, eine Leistung zu internalisieren, den eigenen Beitrag zu benennen und daraus Selbstwert zu schöpfen.

Eigene Erfolge würdigen: geführte Übung für die Therapie

Klinische Fallbeispiele

Selbstwert trotz Bagatellisierungstendenz stärken

Klinisches Bild. Frau K., Mitte dreißig, stellt sich mit einer rezidivierenden depressiven Störung vor und neigt dazu, eigene Leistungen sofort zu entwerten. In der Sitzung berichtet sie beiläufig, nach langer Pause wieder eine Fortbildung abgeschlossen zu haben. Die Therapeutin leitet sie durch die drei Leitfragen der Übung: K. beschreibt zunächst zögernd den Abschluss, benennt dann auf Nachfrage konkret ihren Anteil, nämlich das konsequente Durchhalten trotz Erschöpfungsphasen. Am Ende der Übung formuliert sie erstmals ohne Einschränkung, dass Ausdauer eine Stärke von ihr sei, was die Therapeutin als Ausgangspunkt für die Weiterarbeit am Selbstbild festhält.

Eigenen Beitrag nach sozialer Phobie benennen

Klinisches Bild. Herr A., Anfang zwanzig, befindet sich in einer kognitiv-behavioralen Behandlung wegen ausgeprägter sozialer Ängste. Er hat erstmals an einem Teammeeting teilgenommen, ohne vorher abzusagen, wertet dies jedoch als Kleinigkeit ab. Der Therapeut setzt die strukturierte Übung ein: A. schildert das Ereignis auf die erste Frage hin detaillierter als erwartet, erkennt auf die zweite hin, dass er aktiv Vermeidung widerstanden hat. Die dritte Frage führt zu einer knappen, aber eigenständig formulierten Schlussfolgerung: Er sei offenbar in der Lage, sich trotz Angst zu entscheiden. Der Therapeut notiert diese Aussage wörtlich als Ressource für spätere Expositionsvorbereitung.

Was der Sitzung im Weg steht: Erfolge lassen sich nicht einfach erzählen

Viele Patienten kommen nach einem gelungenen Schritt in die Sitzung und berichten sachlich: "Es hat funktioniert." Punkt. Was danach kommt, ist selten Stolz. Häufiger ist es eine schnelle Relativierung, ein Wechsel zum nächsten Problem, oder das leise Unbehagen, das eigene Gelingen laut auszusprechen. Die Fähigkeit, sich einen Erfolg wirklich zuzuschreiben, setzt eine interne Attributionsleistung voraus, die bei Patientinnen und Patienten mit niedrigem Selbstwert, depressiven Mustern oder Impostor-Syndrom systematisch gestört ist.

Das verbale Gespräch allein reicht hier oft nicht. Den Erfolg zu benennen ist eine Sache; ihn konkret auf die eigene Person und das eigene Handeln zurückzuführen eine andere. Wer diese Verknüpfung nicht herstellt, bleibt von Leistungen emotional unberührt. Die Lücke zwischen Ereignis und Selbstwert bleibt bestehen, auch wenn die Therapie voranschreitet. Dieses Übungsformat setzt genau dort an.

Nutzen Sie diese Ressource mit Ihren Patienten

Merkblatt, Übungen und Materialien einsatzbereit, direkt in SessionFuel.

Diese Ressource mit einem Patienten nutzen

Was die Übung enthält

Die Übung besteht aus drei aufeinander aufbauenden Fragen. Zunächst wird der Patient eingeladen, die Leistung konkret zu beschreiben: Was genau wurde erreicht? Diese erste Frage erzwingt eine Präzisierung, die das Vage des "Es hat irgendwie geklappt" auflöst.

Die zweite Frage lenkt den Blick auf die eigene Rolle in diesem Erfolg: Was habe ich dazu beigetragen? Diese Verschiebung von der Situationsbeschreibung zur Selbstwahrnehmung ist der klinisch entscheidende Schritt. Patientinnen und Patienten, die Erfolge habitue extern attribuieren oder ihre eigene Wirkung kleinhalten, können hier nicht ausweichen. Die Frage macht Handlungsfähigkeit explizit.

Die dritte Frage schließt den Bogen: Welche Lehren über mich selbst trägt dieser Erfolg? Worauf kann ich stolz sein? Dieser Transfer vom einzelnen Ereignis zur stabileren Selbstaussage ist das Herzstück der Übung. Er nähert sich dem, was in Verbindung mit der Übung „Ich bin einzigartig" oder der Reflexionsübung „Ich bin nicht gut genug" längerfristig bearbeitet wird, jetzt aber an einem konkreten, unmittelbaren Erlebnis ansetzt.

Das folgende Bild zeigt die drei Fragen der Übung in ihrer Reihenfolge. Es handelt sich dabei um eine statische Vorschau; die vollständige geführte Übung, inklusive Antwortfeldern, patientenseitiger Einleitung und der Möglichkeit zur Nutzung in der Sitzung oder zwischen den Terminen, wird in der App erlebt, nicht in diesem Bild.

![Vorschau der Übungsstruktur: Übung „Ich feiere meine Erfolge" mit drei geführten Fragen zur Beschreibung der Leistung, zur eigenen Rolle und zu persönlichen Lernerkenntnissen]

> Diese Übung steht Ihren Patienten über die Patienten-App von SessionFuel zur Verfügung: Sie weisen die Übung in SessionFuel zu, und Ihr Patient bearbeitet sie direkt auf dem Smartphone, in der Sitzung oder zwischen den Terminen. Die Antworten sind anschließend gemeinsam zugänglich und dienen als konkreter Ausgangspunkt für den Austausch.

> À retenir: Eine einzige gelungene Handlung, sorgfältig befragt, kann mehr zur Stabilisierung des Selbstbildes beitragen als eine theoretische Arbeit am negativen Glaubenssatz, weil sie an einem gelebten Beweis ansetzt, den der Patient nicht leugnen kann.

Klinische Bibliothek

600+ klinische Werkzeuge

Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.

Auf alle Werkzeuge zugreifen
Mehrere Arten von Ressourcen
Psychoedukative Merkblätter
Auf einen Blick verstehen
Interaktive Übungen
Zum Durchführen und Ausfüllen
Interaktive Programme
Ein strukturierter Weg
Audios
Meditation und Entspannung

Wann und wie die Übung einsetzen

Der beste Moment ist, wenn ein Patient in der Sitzung oder kurz davor von einem Fortschritt berichtet, auch einem kleinen. Das kann ein überstandenes Gespräch sein, eine Aufgabe, die endlich erledigt wurde, oder ein erster Schritt nach langer Lähmung. Die Übung verlangsamt diesen Moment und macht ihn therapeutisch nutzbar, statt ihn an das nächste Thema zu verlieren.

Sie passt besonders gut für Patientinnen und Patienten, die Komplimente schwer annehmen können und von der Übung „Kompliment annehmen" begleitet werden, oder für Patienten mit Depression, die Fortschritte systematisch entwerten. Hier bildet sie eine sinnvolle Ergänzung zu den kleinen Siegen bei Depression oder zur strukturierten Bestandsaufnahme des Kampfes gegen die Depression.

Für das Einführungsgespräch genügt ein einfacher Satz: "Sie haben gerade etwas Wichtiges geleistet. Bevor wir weitergehen, möchte ich, dass wir drei kurze Fragen dazu durcharbeiten." Die Übung kann in der Sitzung gemeinsam durchgeführt oder als Aufgabe für die Zwischenzeit zugewiesen werden.

Nutzen Sie es mit Ihren Patienten

Teilen Sie dieses Tool in der mobilen App und begleiten Sie die Arbeit zwischen den Sitzungen.

Mit einem Patienten nutzen

Einbettung in die weitere Therapiearbeit

Längerfristig lassen sich die Antworten dieser Übung als Gegenbeweis gegen negative Kernüberzeugungen nutzen: Die belegten Leistungen werden zu Argumenten in der Arbeit mit ständigen Selbstvergleichen oder Selbstabwertung. Mehrfach eingesetzt baut die Übung ein persönliches Archiv von Gelingensmomenten auf, das die Selbstakzeptanz und das Selbstbild nachhaltig stützt. Im Kontext von Dankbarkeit und positiver Wahrnehmung oder beim Aufbau von Resilienz ist sie eine natürliche Ergänzung.

Mobile App für Patienten

Ihre Sitzung setzt sich in der Hosentasche Ihrer Patienten fort

Mit einer Patientin nutzen

Ihre Ressourcen, überall verfügbar

Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.

Psychoedukative MerkblätterInteraktive ÜbungenInteraktive ProgrammeAudios

Und weit mehr als eine Bibliothek

Die App geht weit über die Ressourcen hinaus, um Ihre Patienten im Alltag zu begleiten:

Standardisierte Tests
Therapietagebuch
Spielerische Elemente
Wohlbefinden-Challenges
Selbstreflexions-Fragen
Aufgaben der Therapeutin

Verwandte Kategorien

Entdecken Sie weitere klinische Ressourcen nach Kategorie.