Selbstakzeptanz fördern: Geführte Übung für die Therapie

Fünf strukturierte Fragen helfen Patienten, einen nicht akzeptierten Aspekt zu benennen, seine Kosten zu erkennen und Akzeptanz konkret zu erarbeiten.

Selbstakzeptanz fördern: Geführte Übung für die Therapie

Klinische Fallbeispiele

Selbstkritik bei chronischer Erschöpfung

Klinisches Bild. Frau K., Anfang vierzig, stellt sich mit einer rezidivierenden depressiven Störung vor; sie berichtet anhaltend von Scham über ihre seit Jahren eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Im Rahmen der Sitzung leitet die Therapeutin die fünfschrittige Selbstakzeptanz-Übung ein und bittet Frau K., zunächst schriftlich zu benennen, welchen Aspekt sie am schwersten toleriert: die körperliche Erschöpfung, die sie als persönliches Versagen wertet. Bei Frage zwei werden konkrete Verhaltensfolgen sichtbar, nämlich sozialer Rückzug und Überarbeitung als Gegensteuerung, die die Erschöpfung weiter verstärken. Die Patientin erkennt im Verlauf der Fragen drei bis fünf erstmals, dass Akzeptanz kein Aufgeben bedeutet, sondern den Kreislauf aus Scham und Kompensation unterbrechen könnte. Am Ende der Sitzung formuliert sie einen ersten, vorsichtigen Satz der Selbstzuwendung, den sie bis zur nächsten Stunde schriftlich weiterentwickeln soll.

Körperbild und Akzeptanzarbeit

Klinisches Bild. Herr A., Mitte dreißig, befindet sich in ambulanter Therapie wegen sozialer Angst, die eng mit einer negativen Bewertung seines Körperbildes verknüpft ist. Der Therapeut führt die geführte Übung ein; auf Frage eins nennt Herr A. nach kurzem Zögern seine Körperhaltung, die er als Zeichen von Schwäche deutet. Die Bearbeitung von Frage zwei macht deutlich, dass diese Nichtakzeptanz ihn in sozialen Situationen zu übertriebener Selbstkontrolle veranlasst, was die Angst aufrechthält. Frage vier bringt einen wesentlichen Hinderungsgrund zutage: Er befürchtet, Akzeptanz werde von anderen als Gleichgültigkeit oder Resignation wahrgenommen. Diese Unterscheidung zwischen Akzeptanz und Resignieren wird zum zentralen Arbeitsthema der Folgesitzung, wobei die Ergebnisse der Übung als Gesprächsgrundlage dienen.

Der klinische Bedarf: Wenn Selbstakzeptanz abstrakt bleibt

Viele Patientinnen und Patienten sprechen wiederholt von einem Aspekt an sich selbst, den sie ablehnen, ohne dass das therapeutische Gespräch vorwärtskommt. Selbstakzeptanz als Begriff ist dabei selten das Problem. Das Problem ist die Operationalisierung: Wie hilft man jemandem, von der diffusen Ablehnung zu einer konkreten Haltung zu gelangen?

Hinzu kommt eine klassische Verwechslung: Akzeptanz wird mit Resignation gleichgesetzt. Wer etwas an sich annimmt, befürchtet, es damit gutzuheißen oder auf Veränderung zu verzichten. Diese Blockade ist in der Praxis zäher als sie wirkt. Sie tritt bei Körperbild-Themen ebenso auf wie bei chronischen Schuldgefühlen, bei tief verankerten Grundüberzeugungen oder in der Arbeit mit Scham. Das ACT-Modell, wie es etwa im strukturierten Programm für depressive Klientinnen und Klienten aufgebaut wird, macht diese Unterscheidung zum therapeutischen Kernstück. Im Einzelgespräch fehlt dafür oft eine handhabbare Struktur.

Diese Übung schließt genau diese Lücke. Sie gibt dem Patienten einen geführten Weg durch die Ambivalenz, von der Benennung des nicht akzeptierten Elements bis zur prospektiven Frage, was Akzeptanz im Alltag verändern würde.

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Was die Übung enthält

Die Übung besteht aus fünf aufeinander aufbauenden Fragen. Die erste bittet den Patienten, einen konkreten körperlichen oder psychischen Aspekt zu benennen, mit dem er sich schwertut. Diese Präzisierung holt die Arbeit aus dem Vagen heraus und setzt einen klaren Fokus.

Die zweite Frage richtet den Blick auf emotionale und verhaltensbezogene Kosten der Nicht-Akzeptanz. Hier wird spürbar, welchen täglichen Preis die Ablehnung kostet. Wer mit dysfunktionalen emotionalen Reaktionsmustern arbeitet, kennt diesen Schritt.

Die dritte Frage sucht nach innerer Logik für die Akzeptanz: Was wäre nachvollziehbar und berechtigt daran, diesen Aspekt anzunehmen? Das ist ein kognitiver Hebel, der Widerstand reduziert, ohne ihn wegzureden. Er ergänzt Arbeit mit globalen Selbsturteilen und negativen Überzeugungen.

Die vierte Frage lässt den Patienten Hindernisse der Akzeptanz benennen, bevor sie den Prozess blockieren. Das erzeugt therapeutische Vorwegnahme.

Die fünfte Frage schließt mit dem praktischen Lebensgewinn: Wie würde Akzeptanz den Alltag vereinfachen? Diese prospektive Perspektive ist motivational und verankert den Veränderungswillen konkret.

Das Bild unten listet alle fünf Fragen in ihrer Reihenfolge mit einer kurzen Einleitung auf. Es handelt sich dabei ausschließlich um eine statische Vorschau der Übungsstruktur. Die vollständige geführte Übung, mit Antwortfeldern, patientengerechten Instruktionen und der Möglichkeit zur Nutzung in der Sitzung oder zwischen den Terminen, wird allein in der App erlebt und nicht in diesem Bild abgebildet.

> Diese Übung steht Ihren Patientinnen und Patienten direkt in der Patienten-App von SessionFuel zur Verfügung: Sie weisen die Übung zu, und Ihre Patienten bearbeiten sie auf ihrem Smartphone, sowohl in der Sitzung als auch eigenständig zwischen den Terminen.

> À retenir : Die Stärke dieser Übung liegt in ihrer Abfolge. Sie führt nicht sofort zur Lösung, sondern durchläuft zuerst den konkreten Preis der Nicht-Akzeptanz und die innere Logik der Annahme, bevor Hindernisse und Alltagsgewinn benannt werden. Das entspricht dem therapeutischen Prozess, nicht einem Ratschlag.

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Wann und wie die Übung einsetzen

Die Übung eignet sich, sobald ein Patient wiederholt von einem Aspekt an sich spricht, den er ablehnt, ohne dass das Gespräch vorwärtskommt. Sie ist nicht auf ein bestimmtes Störungsbild beschränkt.

Günstige Einstiegspunkte sind Sitzungen, in denen Selbstkritik, Körperbild, Rigidität im Selbstbild oder chronische Ablehnung eigener Eigenschaften im Vordergrund stehen. Patientinnen und Patienten, die zur Rumination neigen (vgl. Grübeln erkennen und unterbrechen), mit harschem innerem Urteilen ringen oder negative automatische Gedanken über sich selbst wiederholen, profitieren besonders.

Die Übung lässt sich in der Sitzung gemeinsam durchgehen oder als strukturierte Aufgabe zwischen den Terminen einsetzen. Im Debrief empfiehlt es sich, bei der zweiten Frage zu verweilen: Die benannten emotionalen Kosten der Nicht-Akzeptanz sind oft das produktivste Kernmaterial für die weitere Arbeit. Die Antworten auf Frage drei eröffnen häufig eine Diskussion über konstruktive versus ruminative Gedankenmuster.

Zur Vertiefung bietet sich das geführte Audio Selbstmitgefühl stärken als ergänzende Ressource an, wenn der kognitive Zugang allein nicht ausreicht. Für Patientinnen und Patienten, bei denen Akzeptanz eng mit Unsicherheitstoleranz verknüpft ist, lässt sich die Übung gut in eine übergeordnete Sequenz einbetten.

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