Hamilton-Depressions-Skala (HAMD-17)

Die Hamilton-Depressions-Skala (HAMD-17) zählt weltweit zu den etabliertesten Fremdbeurteilungsverfahren in der klinischen Praxis und Forschung.

Hamilton-Depressions-Skala (HAMD-17)
Fragen
17
Dauer
20 Min.
Originaltitel
HDRS-17 — Hamilton Depression Rating Scale
Adaptation
Hamilton-Depressions-Skala (HAMD-17)
Autoren
Hamilton, M.
Erstellt
1960

Die Hamilton-Depressions-Skala (HAMD-17) zählt weltweit zu den etabliertesten Fremdbeurteilungsverfahren in der klinischen Praxis und Forschung. Sie ermöglicht es Fachkräften, die Ausprägung einer depressiven Symptomatik präzise und objektiv zu erfassen. Durch die gezielte Fokussierung auf verhaltensbezogene, motorische und somatische Kriterien bietet das Instrument ein fundiertes, vom depressiven Negativbias des Patienten bereinigtes Bild der aktuellen Krankheitslast.

Klinisch ist die HAMD-17 besonders wertvoll, um Behandlungsverläufe systematisch zu objektivieren. Wenn Patienten lernen, ihre Erkrankung durch Psychoedukation besser zu greifen, und beginnen, ihre Depression verstehen und einordnen zu können, liefert die Skala ein paralleles, arzt- oder therapeutenbasiertes Maß für den Erfolg. Auch bei der Beobachtung, wie sich die Affektregulation verändert, wenn Emotionen bei Depression gezielt in den Sitzungen bearbeitet werden, erfasst das Instrument verlässlich Nuancen im Antrieb und in den vegetativen Begleiterscheinungen.

Beispielergebnis

Fiktives Ergebnis, aus einem Beispielsatz von Antworten berechnet.

Gesamtwert
24/ 52
Klinische Referenz-Fremdbeurteilungsskala, die von einer klinischen Fachkraft im Rahmen eines halbstrukturierten Interviews durchgeführt wird, um den Schweregrad depressiver Symptome bei Erwachsenen mit einer bereits diagnostizierten depressiven Störung zu quantifizieren. Sie dient der Erfassung des initialen Schweregrads der Episode, der Verlaufsbeobachtung über die Zeit sowie der Beurteilung des Behandlungsansprechens (insbesondere auf Antidepressiva). Die Bewertung bezieht sich auf die vergangenen 7 Tage und stützt sich auf die klinische Beobachtung sowie das Urteil der Fachkraft.
0–7
Keine Depression
8–16
Leichte Depression
17–23
Mittelschwere Depression
24–52
Schwere Depression
24
Maximierte die Summe aus Sensitivität und Spezifität für den Vergleich von mittelschwerer vs. schwerer Depression.
Auswertung
Summe der 17 Items, Gesamtwert von 0 bis 52, die Punktevergabe variiert je nach Item (siehe jeweilige Frage).

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Was der Test misst

Die HAMD-17 quantifiziert das klinische Bild der Depression über ein breites Spektrum emotionaler, kognitiver und körperlicher Symptomdimensionen, die im Rahmen eines halbstrukturierten Interviews systematisch erhoben werden.

  • Depressive Stimmung: Erfasst anhaltende Traurigkeit, innere Leere und Gefühle der Hoffnungslosigkeit.
  • Schuldgefühle und Suizidalität: Bewertet selbstabwertende Kognitionen sowie den Grad der Lebensmüdigkeit bis hin zu suizidalen Intentionen.
  • Schlafarchitektur: Differenziert systematisch zwischen initialen Einschlafstörungen, unruhigen Durchschlafstörungen und dem typischen morgendlichen Früherwachen.
  • Antrieb und psychomotorische Hemmung: Erfasst Einbrüche im beruflichen Leistungsvermögen und motorische Verlangsamung, die oftmals das lähmende Gefühl auslösen, ich komme nicht voran.
  • Agitation und Angstzustände: Misst kognitive Besorgnis, innere Anspannung und die entsprechenden vegetativen Begleiterscheinungen.
  • Somatisierungsneigung: Beobachtet gastrointestinale Beschwerden, Libidoverlust, diffuse Schmerzen, Hypochondrie und objektivierbaren Gewichtsverlust.
  • Krankheitseinsicht: Beurteilt, inwieweit das aktuelle Befinden als Ausdruck einer psychischen Störung anerkannt wird.

Die Skala richtet sich in erster Linie an erwachsene Patienten in der ambulanten oder stationären psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung.

Wann und warum einsetzen

Das Instrument wird bevorzugt genutzt, um den Schweregrad präzise einzugrenzen und den Verlauf der Symptomlast unter einer etablierten psychopharmakologischen oder psychotherapeutischen Behandlungsstrategie systematisch zu steuern.

  • Baseline-Erfassung: Sichert den objektiven Schweregrad zu Beginn einer Therapie und dient als robustes Fundament für die differenzielle Indikationsstellung.
  • Verlaufsmonitoring: Hilft dabei, die Effekte spezifischer therapeutischer Interventionen wie der systematischen Wochenbilanz bei der Verhaltensaktivierung reliabel und vergleichbar abzubilden.
  • Beurteilung von Response und Remission: Dient als internationaler Standard zur Bestimmung des klinischen Ansprechens auf eine Maßnahme, um Anpassungen datengestützt vorzunehmen.
  • Reduktion von Vermeidungsmustern: Bietet ein quantitatives Korrelat, wenn sich das Vermeidungsverhalten bei Depression allmählich auflöst und sich parallel der Wert für Aktivität und Antrieb messbar verbessert.

Die Erhebung durch eine ausgebildete Fachperson verhindert eine Verzerrung durch die kognitive Einschränkung des Patienten und validiert so den klinischen Gesamteindruck auf standardisierte Weise.

Klinische Bibliothek

750+ klinische Werkzeuge

Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.

Auf alle Werkzeuge zugreifen
Mehrere Arten von Ressourcen
Psychoedukative Merkblätter
Auf einen Blick verstehen
Interaktive Übungen
Zum Durchführen und Ausfüllen
Interaktive Programme
Ein strukturierter Weg
Audios
Meditation und Entspannung
Psychometrische Tests
Automatische Auswertung

Die Fragen

  1. Schätzen Sie jeden Bereich in Bezug auf den klinischen Zustand des Patienten in den vergangenen 7 Tagen ein, basierend auf dem klinischen Interview und der Verhaltensbeobachtung. Wählen Sie die Stufe, die die beobachtete Symptomatik am besten beschreibt.
    1. Depressive Stimmung (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Gefühl der Wertlosigkeit)
    Beurteilt die Grundstimmung des Patienten, unabhängig davon, ob diese spontan geäußert oder erst auf Nachfrage sichtbar wird.
    • Nicht vorhanden
    • Diese Gefühlszustände werden nur auf Nachfrage angegeben
    • Diese Gefühlszustände werden spontan verbal geäußert
    • Die Person teilt diese Gefühlszustände nonverbal mit (Mimik, Haltung, Stimme, Neigung zum Weinen)
    • Die Person drückt ausschließlich diese Gefühlszustände aus, sowohl in der verbalen als auch in der nonverbalen Kommunikation
  2. 2. Schuldgefühle
    Erfasst selbstabwertende Gedanken bis hin zu wahnhaften Schuldideen und deren Auswirkungen.
    • Nicht vorhanden
    • Macht sich selbst Vorwürfe, hat den Eindruck, anderen geschadet zu haben
    • Schuldideen oder Grübeln über vergangene Fehler oder verwerfliche Handlungen
    • Die aktuelle Krankheit wird als Bestrafung erlebt; wahnhafte Schuldideen
    • Hört Stimmen, die ihn/sie anklagen oder denunzieren, und/oder hat bedrohliche visuelle Halluzinationen
  3. 3. Suizidalität
    Fragt das Spektrum suizidaler Tendenzen von Lebensüberdruss bis zu konkreten Handlungen ab.
    • Nicht vorhanden
    • Hat den Eindruck, das Leben sei nicht lebenswert
    • Wünscht sich, tot zu sein, oder Ähnliches: denkt über den eigenen möglichen Tod nach
    • Suizidgedanken oder -handlungen
    • Suizidversuche (jeder ernsthafte Versuch)
  4. 4. Einschlafstörungen
    Beobachtet Schwierigkeiten in der initialen Schlafphase beim abendlichen Zubettgehen.
    • Keine Schwierigkeiten beim Einschlafen
    • Klagt über gelegentliche Schwierigkeiten beim Einschlafen (mehr als eine halbe Stunde)
    • Klagt jeden Abend über Schwierigkeiten beim Einschlafen
  5. 5. Durchschlafstörungen
    Bewertet nächtliches Erwachen und einen allgemein unruhigen oder wenig erholsamen Schlaf.
    • Keine Schwierigkeiten
    • Die Person beklagt sich, nachts unruhig und aufgewühlt zu sein
    • Wacht nachts auf (jedes Aufstehen, außer zum Wasserlassen)
  6. 6. Frühes Erwachen
    Erfasst das typische morgendliche Früherwachen ohne die Fähigkeit, wieder einzuschlafen.
    • Keine Schwierigkeiten
    • Wacht sehr früh am Morgen auf, schläft aber wieder ein
    • Kann nicht wieder einschlafen, wenn er/sie aufsteht
  7. 7. Arbeit und Aktivitäten
    Dokumentiert die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit im Berufsalltag sowie das nachlassende Interesse an Hobbys.
    • Keine Schwierigkeiten
    • Gedanken und Gefühle der Unfähigkeit, Müdigkeit oder Schwäche in Bezug auf Aktivitäten, Arbeit oder Freizeit
    • Interessenverlust an Aktivitäten, Freizeit oder Arbeit, der direkt von der Person oder indirekt durch ihre Apathie, Unentschlossenheit und Zögerlichkeit geäußert wird
    • Weniger Zeit für Aktivitäten oder geringere Produktivität
    • Hat die Arbeit aufgrund der aktuellen Krankheit aufgegeben
  8. 8. Verlangsamung (verlangsamtes Denken und Sprechen, verminderte Konzentrationsfähigkeit, verminderte motorische Aktivität)
    Fokussiert auf die klinisch beobachtbare psychomotorische Verlangsamung im Denken, Sprechen und Handeln.
    • Normales Sprechen und Denken
    • Leichte Verlangsamung im Gespräch
    • Offensichtliche Verlangsamung im Gespräch
    • Gesprächsführung schwierig
    • Vollständiger Stupor
  9. 9. Agitiertheit
    Beobachtet Zeichen innerer Unruhe, die sich in motorischer Zappeligkeit oder Übersprungshandlungen äußern.
    • Keine
    • Anspannung, Muskelzuckungen
    • Spielt mit den Händen, Haaren usw.
    • Bewegt sich, kann nicht still sitzen
    • Windet die Hände, kaut an den Nägeln, reißt sich die Haare aus, beißt sich auf die Lippen
  10. 10. Psychische Angst
    Bewertet kognitive und emotionale Äquivalente der Angst wie ständige Sorgen, Anspannung und Reizbarkeit.
    • Keine Störung
    • Subjektive Anspannung und Reizbarkeit
    • Macht sich Sorgen über unbedeutende Probleme
    • Ängstliche Haltung, die in Mimik oder Sprache deutlich wird
    • Ängste werden ohne Nachfragen geäußert
  11. 11. Somatische Angst (körperliche Begleiterscheinungen der Angst: gastrointestinal, kardiovaskulär, respiratorisch, Schwitzen usw.)
    Erfasst körperliche Begleiterscheinungen von Angstzuständen wie Herzklopfen, Schwitzen oder Hyperventilation.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Mäßig
    • Schwer
    • Führt bei der Person zu funktioneller Beeinträchtigung
  12. 12. Gastrointestinale somatische Symptome
    Fragt spezifische Verdauungsbeschwerden und Appetitverlust ab, die im Rahmen der Depression auftreten.
    • Keine
    • Appetitlosigkeit, isst aber ohne dazu gedrängt zu werden; Völlegefühl im Bauch
    • Hat Schwierigkeiten zu essen, wenn nicht dazu aufgefordert; verlangt oder benötigt Abführmittel oder Medikamente für Magen/Darm
  13. 13. Allgemeine somatische Symptome
    Beobachtet diffuse Schmerzzustände, Schweregefühle und rasche Ermüdbarkeit auf somatischer Ebene.
    • Keine
    • Schweregefühl in den Gliedmaßen, im Rücken oder Kopf; Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen; Energieverlust, Ermüdbarkeit
    • Jede deutliche Ausprägung
  14. 14. Genitale Symptome (Libidoverlust, Menstruationsstörungen)
    Dokumentiert den durch die Episode bedingten Verlust an Libido oder andere sexuelle Funktionsstörungen.
    • Nicht vorhanden
    • Leicht
    • Schwer
  15. 15. Hypochondrie
    Erfasst das Ausmaß der Beschäftigung mit der eigenen körperlichen Gesundheit und eventuelle somatoforme Befürchtungen.
    • Nicht vorhanden
    • Auf den eigenen Körper konzentrierte Aufmerksamkeit
    • Sorgen um die eigene Gesundheit
    • Häufige Klagen, Bitten um Hilfe usw.
    • Hypochondrische Wahnideen
  16. 16. Gewichtsverlust (Bewertung nach Einschätzung des Klinikers/der Klinikerin für die vergangene Woche)
    Schätzt den durch die Symptomatik bedingten Abbau der Körpermasse während der laufenden Episode ab.
    • Kein Gewichtsverlust
    • Wahrscheinlicher Gewichtsverlust im Zusammenhang mit der aktuellen Krankheit
    • Sicherer Gewichtsverlust (laut Angabe der Person)
  17. 17. Krankheitseinsicht
    Überprüft, inwieweit der Patient seine Symptomatik als Ausdruck einer behandlungsbedürftigen Erkrankung anerkennt.
    • Erkennt an, depressiv und krank zu sein
    • Erkennt an, krank zu sein, führt es aber auf die Ernährung, das Klima, Überarbeitung, einen Virus, Ruhebedarf usw. zurück
    • Bestreitet, krank zu sein
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