Aktuelles Aktivitäteninventar: Zeitnutzung in der Therapie
Eine geführte Bestandsaufnahme hilft Patienten, ihre aktuellen Tätigkeiten zu ordnen und therapeutisch zu priorisieren, konkret und handlungsorientiert.
Klinische Fallbeispiele
Bestandsaufnahme bei erschöpfter Berufstätiger
Klinischer Kontext. Frau K., Mitte vierzig, stellt sich mit anhaltender Erschöpfung und diffusem Rückzugsverhalten vor; eine depressive Episode leichter bis mittelschwerer Ausprägung ist gesichert. Die Therapeutin schlägt ihr vor, im Rahmen der Sitzung alle aktuellen Tätigkeiten aufzulisten und nach dem tatsächlichen Zeitaufwand zu ordnen. Beim Ausfüllen des Inventars bemerkt Frau K. selbst, dass berufliche Verwaltungsaufgaben den weitaus größten Teil ihrer Woche beanspruchen, während soziale Kontakte kaum noch vorkommen. Sie markiert die Verwaltungsaufgaben als zu reduzieren und soziale Aktivitäten als zu steigern. Diese konkrete Gegenüberstellung bildet in der Folgesitzung die Grundlage für eine schrittweise Verhaltensaktivierung.
Aktivitätenprofil bei chronischen Schmerzen
Klinischer Kontext. Herr A., Anfang dreißig, befindet sich wegen eines chronischen Schmerzsyndroms in psychologischer Begleitung; Passivität und sozialer Rückzug verstärken seinen Leidensdruck. Der Therapeut bittet ihn, seine Wochentätigkeiten schriftlich zu ordnen und für jede Position einzutragen, ob er sie verringern oder ausbauen möchte. Herr A. stellt fest, dass er die meiste Zeit mit Bildschirmkonsum verbringt, obwohl er sich danach regelmäßig schlechter fühlt, und dass leichte körperliche Bewegung kaum auftaucht. Das ausgefüllte Inventar macht den Handlungsbedarf sichtbar, ohne dass der Therapeut ihn benennen muss, was die Eigenmotivation des Patienten spürbar stärkt.
Der klinische Bedarf: Was sich in der Sitzung schwer greifen lässt
Viele Patientinnen und Patienten kommen mit dem diffusen Gefühl, zu viel zu tun und dennoch nicht voranzukommen. Wenn man sie fragt, womit sie ihre Zeit verbringen, folgt oft eine ungeordnete, emotional gefärbte Aufzählung, ohne Gewichtung, ohne Richtung. Die eigentliche Frage lautet aber nicht nur «Was tun Sie?», sondern: «Wie viel Zeit nehmen diese Tätigkeiten ein, und wohin sollten sie sich entwickeln?»
Genau diese Doppelstruktur, Ist-Zustand erfassen und sofort bewerten, widersteht dem mündlichen Gespräch. Im Austausch fehlt die Übersicht. Was die Patientin nennt, verliert sich im nächsten Satz. Eine geordnete Grundlage fehlt. Hier setzt das Instrument ein: Es zwingt zu einer expliziten, priorisierten Bestandsaufnahme, die in der Sitzung direkt lesbar und bearbeitbar ist. Das ist besonders relevant, wenn depressives Vermeidungsverhalten das Bild verzerrt oder wenn ein Patient beschreibt, dass er nicht vorankommt, ohne konkret benennen zu können, warum.
Nutzen Sie diese Ressource mit Ihren Patienten
Merkblatt, Übungen und Materialien einsatzbereit, direkt in SessionFuel.
Was die Übung enthält, und wie sie als Arbeitsmittel funktioniert
Die Übung besteht aus einer einzigen, aber strukturell dichten Frage: Der Patient listet alle Tätigkeiten, die seine Zeit aktuell beanspruchen, ordnet sie von der zeitaufwendigsten bis zur weniger gewichtigen und bewertet jede einzelne mit einer klaren Richtungsangabe: verringern oder steigern.
Diese Struktur leistet drei Dinge gleichzeitig. Erstens macht sie das Zeitprofil sichtbar, was tatsächlich passiert, nicht was der Patient für wahrscheinlich hält. Zweitens erzwingt die Reihung eine Relativierung: Plötzlich zeigt sich, dass eine Tätigkeit, die als überwältigend erlebt wird, im Vergleich zu anderen gar nicht so viel Raum einnimmt. Drittens bringt die Spalte «verringern / steigern» eine erste handlungsorientierte Bewertung ins Spiel, noch bevor der therapeutische Debrief beginnt.
Das Ergebnis ist ein konkretes Dokument, das Sie als Kliniker*in in der nächsten Sitzung direkt nutzen können, sei es für die Wochenplanung zur Verhaltensaktivierung, als Ausgangspunkt für eine Wochenbilanz zur Verhaltensaktivierung oder als Vorbereitung für eine Reflexion über Work-Life-Balance. Die Übung schließt auch nahtlos an das Zukunftsinventar an, das auf einer ähnlichen Struktur basiert, den Blick aber auf ideale künftige Handlungen richtet.
Das Bild unten zeigt eine statische Vorschau der Übungsfrage. Die vollständige geführte Erfahrung, mit Eingabefeldern, patientengerechter Anleitung und der Möglichkeit, die Übung in oder zwischen den Sitzungen einzusetzen, findet ausschließlich in der App statt, nicht in diesem Bild.
Geführte Übungsfrage (Vorschau):
Liste die Tätigkeiten auf, die deine Zeit aktuell beanspruchen, ordne sie von der zeitaufwendigsten zur weniger gewichtigen und notiere für jede, ob du sie verringern oder steigern möchtest.
> À retenir : Die Stärke dieser Übung liegt nicht in der Vollständigkeit der Liste, sondern in der Richtungsangabe neben jeder Tätigkeit: Dieser simple Schritt verwandelt eine Bestandsaufnahme in ein erstes therapeutisches Commitment.
> Diese Übung steht Patienten über die Patientenanwendung von SessionFuel zur Verfügung, die dedizierte mobile Schnittstelle für Patientinnen und Patienten von Kliniker*innen, die SessionFuel nutzen: Sie weisen die Übung zu, und Ihr Patient füllt sie direkt auf dem Smartphone aus, in der Sitzung oder zwischen den Terminen.
Klinische Bibliothek
600+ klinische Werkzeuge
Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.
Das Instrument eignet sich besonders früh in einer Behandlungsphase, wenn noch kein klares Bild der Alltagsstruktur des Patienten besteht. Es ist niedrigschwellig genug, um bereits in der zweiten oder dritten Sitzung eingesetzt zu werden, ohne einen aufwendigen theoretischen Rahmen vorauszusetzen.
Geeignete Profile sind Patienten, die über Überforderung, Antriebslosigkeit oder das Gefühl sprechen, ihre Zeit nicht im Griff zu haben, unabhängig davon, ob im Hintergrund eine depressive Episode, ein Motivationsverlust oder eine berufliche Erschöpfung steht. Auch vor dem Setzen konkreter therapeutischer Ziele für sechs und zwölf Monate ist das Inventar ein sinnvoller erster Schritt.
Die Einleitung in der Sitzung kann schlicht sein: «Bevor wir Ziele besprechen, schauen wir uns an, was aktuell tatsächlich Ihre Zeit beansprucht, und ob das so bleiben soll.» Sie vergeben die Übung als Hausaufgabe oder nutzen die ersten Minuten der Sitzung dafür. Im Debrief fragen Sie gezielt nach den Tätigkeiten mit der Markierung «steigern»: Was hält davon ab? Ist es Prokrastination, Vermeidung oder schlicht fehlende Struktur? Die Antworten auf diese Folgefragen bilden den eigentlichen therapeutischen Gehalt.
In einem nächsten Schritt lässt sich die Bestandsaufnahme mit der Übung Entwicklungsachsen klären vertiefen, um aus den identifizierten Bereichen konkrete Veränderungsziele abzuleiten. Wer die Verbindung zu Werten herstellen möchte, findet in Werte kultivieren ein ergänzendes Format.
Nutzen Sie es mit Ihren Patienten
Teilen Sie dieses Tool in der mobilen App und begleiten Sie die Arbeit zwischen den Sitzungen.
Die Übung bleibt absichtlich offen: Sie gibt keine Kategorien vor und fordert keine Reflexion über Emotionen. Das macht sie anschlussfähig an unterschiedliche Orientierungen, ob verhaltenstherapeutisch im Sinne der Verhaltensaktivierung, ACT-basiert im Rahmen eines Akzeptanz-Commitment-Therapie-Programms oder als Einstieg in eine berufliche Bestandsaufnahme. Die Schlichtheit der Struktur ist keine Schwäche, sie lässt Raum für das, was die Patientin selbst einbringt.
Mobile App für Patienten
Ihre Sitzung setzt sich in der Hosentasche Ihrer Patienten fort
Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.