Adverse Childhood Experiences Questionnaire (ACE) – Deutsche Version

Der Adverse Childhood Experiences Questionnaire (ACE) ist ein weltweit etabliertes, standardisiertes Messinstrument, das die lebensgeschichtliche Exposition…

Adverse Childhood Experiences Questionnaire (ACE) – Deutsche Version
Fragen
10
Dauer
5 Min.
Originaltitel
ACE-Q — Adverse Childhood Experiences Questionnaire
Adaptation
Adverse Childhood Experiences Questionnaire (ACE) – Deutsche Version
Autoren
Felitti, V. J., Anda, R. F., Nordenberg, D., Williamson, D. F., Spitz, A. M., Edwards, V., Koss, M. P., & Marks, J. S.
Erstellt
1998

Der Adverse Childhood Experiences Questionnaire (ACE) ist ein weltweit etabliertes, standardisiertes Messinstrument, das die lebensgeschichtliche Exposition gegenüber traumatischen Ereignissen vor dem 18. Lebensjahr erfasst. In der klinischen Praxis bietet er eine effiziente Methode, um die biografischen Wurzeln psychischer und somatischer Erkrankungen systematisch zu beleuchten. Traumatische Vorerfahrungen spielen oft eine zentrale Rolle, wenn Behandler gemeinsam mit ihren Patienten essenzielle Grundlagen der psychischen Gesundheit erarbeiten.

Die wissenschaftliche Evidenz zeigt eine starke Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Höhe des ACE-Gesamtwertes und späteren chronischen Gesundheitsproblemen. Die strukturierte Abfrage emotionaler, physischer und sexueller Traumatisierungen sowie familiärer Dysfunktionen erleichtert Klinikern die Fallkonzeption erheblich. Um bei traumatisierten Patienten nachhaltig Resilienz aufbauen zu können, ist diese systematische Risikostratifizierung ein unerlässlicher erster Schritt.

Der Test ersetzt keine umfassende Trauma-Anamnese, liefert aber einen validen, reproduzierbaren Richtwert, um psychosoziale Belastungsmuster frühzeitig zu identifizieren. Ein solcher Ansatz ist besonders wertvoll, um hochkomplexe Symptombilder wie eine behandlungsresistente Depression verstehen und einordnen zu können.

Beispielergebnis

Fiktives Ergebnis, aus einem Beispielsatz von Antworten berechnet.

Gesamtwert
5/ 10
Ein retrospektiver 10-Item-Selbstbeurteilungsfragebogen, der die Exposition vor dem 18. Lebensjahr gegenüber zehn Kategorien potenziell traumatischer Erfahrungen erfasst, unterteilt in zwei Bereiche: Missbrauch/Vernachlässigung (emotionaler, physischer und sexueller Missbrauch; emotionale und physische Vernachlässigung) und familiäre Dysfunktion (häusliche Gewalt gegen die Mutter, ein Haushaltsmitglied mit Suchterkrankung, psychischer Störung oder Suizidversuchen in der Vorgeschichte, elterliche Trennung/Scheidung, Inhaftierung eines Haushaltsmitglieds). Entwickelt im Rahmen der CDC-Kaiser-Studie (Felitti et al., 1998), dokumentiert er die kumulativen Auswirkungen früher Widrigkeiten auf die physische und psychische Gesundheit im Erwachsenenalter und belegt eine robuste Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen dem ACE-Score und gesundheitlichen Folgen.
0–3
Klinischer Schwellenwert nicht erreicht
4–10
Klinisch signifikant
5
Ab diesem Schwellenwert treten die allgemeinen langfristigen gesundheitlichen Folgen am deutlichsten hervor, was einen drastischen Anstieg des Risikos für psychische und Verhaltensstörungen markiert.
cliniquegemischt · Pathologie: Jugendliche im Jugendhilfesystem · Ungarn · n = 240 · 2023 · Oláh et al. (2023)
010
5
M = 3.16 ± 2.27
Zur Information
VergleichACE-Q-Score von 0 vs. ACE-Q-Score von 4
Bei Personen mit einem Score von 4 wird im Vergleich zu Personen mit einem Score von 0 ein massiver Anstieg des relativen Risikos für die Entwicklung von Suchtverhalten, depressiven Zuständen und suizidalem Verhalten beobachtet.
VergleichMobbingopfer vs. Nicht-Opfer
Höhere ACE-Scores sind signifikant mit einer höheren Wahrscheinlichkeit assoziiert, Opfer von Mobbing zu werden.
Oláh et al. (2023)Zur Studie
Auswertung
Summe (Anzahl der Ja-Antworten), Gesamtscore von 0 bis 10, jedes Item wird mit 0 oder 1 bewertet.
Missbrauch und Vernachlässigung
2/ 5
Exposition gegenüber emotionalem, physischem und sexuellem Missbrauch sowie Erfahrungen emotionaler und physischer Vernachlässigung in der Kindheit.
Items 1, 2, 3, 4, 5
2
05
Familiäre Dysfunktion
3/ 5
Verschiedene Formen familiärer Dysfunktion, einschließlich häuslicher Gewalt, elterlicher Trennung/Scheidung und Haushaltsangehörigen mit Substanzmissbrauchsproblemen, psychischen Erkrankungen oder Kontakt mit dem Strafjustizsystem.
Items 6, 7, 8, 9, 10
3
05

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Was der Test misst

Der ACE-Fragebogen quantifiziert das kumulative Ausmaß belastender Kindheitserfahrungen anhand von zehn distinkten Risikofaktoren. Dabei fokussiert sich das Instrument auf zwei Hauptbereiche: direkte Viktimisierung und ein dysfunktionales häusliches Umfeld.

  • Direkte Misshandlung: Erfasst werden verbale Demütigungen, körperliche Gewalt sowie jede Form von sexueller Ausbeutung durch Erwachsene oder deutlich ältere Personen.
  • Vernachlässigung: Der Test dokumentiert emotionale Kälte sowie physische Mangelversorgung, die oft gravierende Lücken in der kindlichen Entwicklung hinterlassen.
  • Familiäre Dysfunktion: Untersucht werden Faktoren wie die Trennung der leiblichen Eltern, häusliche Gewalt gegen die Mutter und die Inhaftierung eines Haushaltsmitglieds.
  • Psychosoziale Instabilität: Schwerwiegende psychische Erkrankungen, Suizidalität oder Suchtmittelmissbrauch von Bezugspersonen erschweren es Betroffenen meist chronisch, im späteren Leben eine gesunde Beziehung zu führen.

Das Instrument richtet sich in erster Linie an erwachsene Patienten in der retrospektiven Anamneseerhebung, kommt jedoch auch bei Jugendlichen zur standardisierten Erfassung biografischer Risiken zum Einsatz.

Wann und warum einsetzen

Der Einsatz des ACE-Fragebogens empfiehlt sich besonders in den frühen Phasen der psychotherapeutischen Behandlung sowie zur systematischen Einschätzung von Hochrisikoprofilen. Die standardisierte Erhebung unterstützt Kliniker dabei, somatoforme oder therapieresistente Verläufe besser zu kontextualisieren.

  • Initiale Fallkonzeption: Eine frühzeitige Erfassung biografischer Risikofaktoren liefert den notwendigen Hintergrund, etwa wenn Patienten im Therapieverlauf belastende Schuldgefühle verstehen und bewältigen müssen.
  • Risikoscreening: Bei der Einschätzung der Chronifizierungstendenz psychischer Störungen hilft die rasche Identifikation einer kritischen Schwelle (viermalige oder häufigere Exposition).
  • Differenzielle Behandlungsplanung: Die Kenntnis kumulativer Traumatisierungen leitet die Notwendigkeit traumaspezifischer Interventionen ab, was beispielsweise für eine präzise Angst-Bestandsaufnahme unerlässlich ist.

Ein validierter ACE-Gesamtwert objektiviert das Ausmaß der frühkindlichen Belastung und zeigt eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung auf, die der reine klinische Eindruck oft unterschätzt.

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Die Fragen

  1. Die folgenden Fragen beziehen sich auf Erlebnisse in den ersten 18 Lebensjahren. Bitte beantworten Sie jede Frage mit Ja oder Nein, je nachdem, was auf Sie zutrifft.
    1. Wurdest du vor deinem 18. Geburtstag von einem Elternteil oder einem anderen Erwachsenen im Haushalt oft oder sehr oft beleidigt, herabgesetzt, gedemütigt oder hat sich jemand so verhalten, dass du Angst hattest, körperlich verletzt zu werden?
    Dieses Item erfasst emotionale Misshandlung, wie systematische verbale Demütigungen oder die Androhung körperlicher Gewalt.
    • Nein
    • Ja
  2. 2. Hat dich vor deinem 18. Geburtstag ein Elternteil oder ein anderer Erwachsener im Haushalt oft oder sehr oft geschubst, gepackt, geohrfeigt oder etwas nach dir geworfen? Oder hat er/sie dich so geschlagen, dass du Spuren davongetragen hast oder verletzt wurdest?
    Hier wird gezielt nach direkter physischer Gewalteinwirkung und körperlicher Misshandlung durch familiäre Bezugspersonen gefragt.
    • Nein
    • Ja
  3. 3. Hat dich vor deinem 18. Geburtstag ein Erwachsener oder eine Person, die mindestens 5 Jahre älter war als du, sexuell berührt oder gestreichelt, oder dich gebeten, ihn/sie sexuell zu berühren? Oder hat er/sie versucht, oralen, analen oder vaginalen Geschlechtsverkehr mit dir zu haben, oder hatte solchen mit dir?
    Die Frage untersucht frühkindliche Erlebnisse von sexuellem Missbrauch oder sexueller Ausbeutung durch Erwachsene oder deutlich ältere Personen.
    • Nein
    • Ja
  4. 4. Hattest du vor deinem 18. Geburtstag oft oder sehr oft das Gefühl, dass dich niemand in deiner Familie liebte oder dich für wichtig oder besonders hielt? Oder dass sich die Mitglieder deiner Familie nicht umeinander kümmerten, sich nicht nahe fühlten oder sich nicht gegenseitig unterstützten?
    Dieses Item beleuchtet emotionale Vernachlässigung, insbesondere das grundlegende Fehlen von elterlicher Liebe, familiärer Wertschätzung und emotionalem Zusammenhalt.
    • Nein
    • Ja
  5. 5. Hattest du vor deinem 18. Geburtstag oft oder sehr oft das Gefühl, nicht genug zu essen zu haben, schmutzige Kleidung tragen zu müssen oder dass dich niemand beschützen konnte? Oder waren deine Eltern zu betrunken oder standen unter Drogeneinfluss, um sich um dich zu kümmern oder dich bei Bedarf zum Arzt zu bringen?
    Im Fokus steht hier die physische Vernachlässigung, wie unzureichende Versorgung mit Nahrung, Kleidung oder grundlegender medizinischer Hilfe.
    • Nein
    • Ja
  6. 6. Waren deine leiblichen Eltern vor deinem 18. Geburtstag jemals getrennt oder geschieden?
    Die Frage erfasst die Trennung oder Scheidung der leiblichen Eltern als strukturellen Einschnitt im primären Familiensystem.
    • Nein
    • Ja
  7. 7. Wurde deine Mutter (oder Stiefmutter) vor deinem 18. Geburtstag oft oder sehr oft geschubst, gepackt, geohrfeigt oder wurde etwas nach ihr geworfen? Oder wurde sie manchmal, oft oder sehr oft getreten, gebissen, mit der Faust oder einem harten Gegenstand geschlagen, wiederholt über mehrere Minuten geschlagen oder mit einem Messer oder einer Schusswaffe bedroht?
    Hier wird erfragt, ob der Patient in der Kindheit als Mitbetroffener Zeuge von drastischer häuslicher Gewalt gegen die Mutter oder Stiefmutter wurde.
    • Nein
    • Ja
  8. 8. Hast du vor deinem 18. Geburtstag mit jemandem zusammengelebt, der ein Alkoholproblem hatte, Alkoholiker war oder illegale Drogen konsumierte?
    Dieses Item ermittelt die Belastung durch chronischen Substanzmissbrauch oder starke Abhängigkeitserkrankungen (Alkohol, Drogen) innerhalb des unmittelbaren Haushalts.
    • Nein
    • Ja
  9. 9. Litt vor deinem 18. Geburtstag ein Mitglied deines Haushalts an Depressionen oder einer psychischen Krankheit, oder hat er/sie versucht, sich das Leben zu nehmen?
    Die Frage erfasst die Präsenz von unbehandelten oder gravierenden psychischen Erkrankungen sowie Suizidversuchen bei direkten Haushaltsmitgliedern.
    • Nein
    • Ja
  10. 10. Ist vor deinem 18. Geburtstag ein Mitglied deines Haushalts ins Gefängnis gekommen?
    Hier wird abschließend dokumentiert, ob die Kriminalität und Inhaftierung eines Haushaltsmitglieds zu familiärer Instabilität und Trennungserfahrungen geführt hat.
    • Nein
    • Ja
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