Barratt Impulsiveness Scale (BIS-11)

Die Barratt Impulsiveness Scale (BIS-11) gilt als der internationale Goldstandard zur psychometrischen Erfassung der Trait-Impulsivität im klinischen und…

Barratt Impulsiveness Scale (BIS-11)
Fragen
30
Dauer
10 Min.
Originaltitel
BIS-11 — Barratt Impulsiveness Scale
Adaptation
Barratt Impulsiveness Scale (BIS-11)
Autoren
Patton, J.H., Stanford, M.S. & Barratt, E.S.
Erstellt
1995

Die Barratt Impulsiveness Scale (BIS-11) gilt als der internationale Goldstandard zur psychometrischen Erfassung der Trait-Impulsivität im klinischen und forschenden Kontext. Durch ihre 30 Items ermöglicht sie eine fundierte Einschätzung impulsiver Verhaltens- und Denkmuster. Das Instrument hilft Behandelnden, Impulsivität nicht nur als diffuses Konstrukt, sondern als vielschichtiges Profil zu begreifen, das die Affekt- und Handlungsregulation maßgeblich beeinflusst.

Das Verständnis der individuellen Impulsivität ist entscheidend, um funktionale von dysfunktionalen Bewältigungsstrategien zu unterscheiden. Insbesondere bei Störungsbildern, die mit mangelnder Selbstkontrolle oder erhöhter Reaktivität einhergehen, liefert die BIS-11 wesentliche Anhaltspunkte. Sie unterstützt Kliniker dabei, das Risiko für unüberlegte Handlungen abzuschätzen und gezielte therapeutische Interventionen für automatische Verhaltensweisen zu planen.

Als wiederholt einsetzbares Maß macht die BIS-11 Behandlungsfortschritte im Verlauf sichtbar. Sie bietet eine verlässliche Datengrundlage, um zu beurteilen, wie gut Patientinnen und Patienten lernen, ihre Emotionen regulieren zu können und zwischen Reiz und Reaktion einen bewussten Handlungsspielraum aufzubauen.

Beispielergebnis

Fiktives Ergebnis, aus einem Beispielsatz von Antworten berechnet.

Gesamtwert
73/ 120
Ein 30-Item-Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung von Impulsivität als mehrdimensionales Persönlichkeitsmerkmal bei Erwachsenen. Er liefert einen Gesamtwert und drei Sekundärfaktorwerte: aufmerksamkeitsbezogene Impulsivität (Aufmerksamkeit und kognitive Instabilität), motorische Impulsivität (Handeln ohne Nachdenken, mangelnde Perseveranz) und nicht-planende Impulsivität (mangelnde Selbstkontrolle und kognitive Komplexität/Zukunftsorientierung). Verwendet im klinischen Kontext (ADHS, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, suizidales Verhalten, affektive Störungen, Essstörungen) und in der Forschung.
30–51
Überkontrolle oder ungültige Antworten
52–71
Im Normbereich
72–120
Hohe Impulsivität
73
Empfohlener Cut-off-Wert zur Klassifizierung einer Person als hoch impulsiv.
généralegemischt · Allgemeinbevölkerung · 17–45 Jahre · Vereinigte Staaten · n = 1577 · 2009 · Stanford et al. (2009)
30120
73
M = 62.3 ± 10.3
généraleMänner · Allgemeinbevölkerung · Männer · 17–45 Jahre · Vereinigte Staaten · n = 393 · 2009 · Stanford et al. (2009)
30120
73
M = 62.8 ± 9.2
généraleFrauen · Allgemeinbevölkerung · Frauen · 17–45 Jahre · Vereinigte Staaten · n = 1184 · 2009 · Stanford et al. (2009)
30120
73
M = 62.1 ± 10.6
cliniquegemischt · Pathologie: ADHS · n = 50 · 2007 · Malloy-Diniz et al. (2009)
30120
73
M = 77.3 ± 10.8
cliniquegemischt · Pathologie: Alkoholabhängigkeit · Vereinigte Staaten · n = 130 · 2004 · Bjork et al. (2004)
30120
73
M = 70.6 ± 11.7
Auswertung
Summe (Gesamtwert und Skalensummen), Gesamtwert im Bereich von 30 bis 120, jedes Item wird auf einer 4-Punkte-Skala bewertet (von 1 bis 4).
Motorische Impulsivität (Motorik + Perseveranz)
26/ 44
Ein Sekundärfaktor der Impulsivität, der die Primärfaktoren motorische Impulsivität und Perseveranz umfasst.
Items 2, 3, 4, 16, 17, 19, 21, 22, 23, 25, 30
26
1144
Aufmerksamkeitsbezogene Impulsivität (Aufmerksamkeit + kognitive Instabilität)
21/ 32
Unfähigkeit zur Aufmerksamkeitsfokussierung oder Konzentration, bestehend aus den Primärfaktoren Aufmerksamkeit und kognitive Instabilität.
Items 5, 6, 9, 11, 20, 24, 26, 28
21
832
Nicht-planende Impulsivität (Selbstkontrolle + kognitive Komplexität)
26/ 44
Ein Sekundärfaktor der Impulsivität, der die Primärfaktoren Selbstkontrolle und kognitive Komplexität umfasst.
Items 1, 7, 8, 10, 12, 13, 14, 15, 18, 27, 29
26
1144

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Was der Test misst

Die BIS-11 operationalisiert Impulsivität als ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal und spaltet das Konstrukt in drei spezifische Dimensionen auf. Diese Struktur erlaubt es, genau zu differenzieren, auf welcher kognitiven oder behavioralen Ebene die Impulsivität vorrangig auftritt.

  • Aufmerksamkeitsbezogene Impulsivität: Erfasst die Unfähigkeit, den Fokus aufrechtzuerhalten, sowie eine ausgeprägte kognitive Instabilität und Gedankenflucht. Hierbei kann es hilfreich sein, Techniken zu nutzen, um die Gedankenflut unterbrechen zu können.
  • Motorische Impulsivität: Beschreibt die Tendenz zu schnellem und unüberlegtem Handeln aus dem Moment heraus sowie einen Mangel an Persistenz bei laufenden Aufgaben.
  • Nicht planende Impulsivität: Misst den Grad an Gegenwartsbezogenheit und mangelnder Voraussicht, was oft mit einem reduzierten Autokontrollverhalten einhergeht.

Das Instrument richtet sich in erster Linie an Erwachsene im klinischen Setting, bei denen Impulskontrollstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, affektive Schwankungen oder Suchterkrankungen detailliert abgeklärt werden sollen.

Wann und warum einsetzen

Der Einsatz der BIS-11 empfiehlt sich in verschiedenen Phasen der klinischen Begleitung, um das therapeutische Vorgehen passgenau auf das Ausmaß der Impulsivität abzustimmen.

  • Klinische Basisdiagnostik: Um zu Therapiebeginn das Ausmaß der Trait-Impulsivität strukturiert zu erfassen und grundlegende Schwierigkeiten in der Handlungssteuerung zu benennen.
  • Indikationsstellung für Kontrollstrategien: Wenn ein starkes Kontrollbedürfnis oder ein gänzliches Fehlen von Selbstregulation das Störungsbild dominieren, liefert die Skala Ansatzpunkte für spezifische Interventionen.
  • Verlaufskontrolle: Um im Therapieprozess zu monitoren, ob therapeutische Strategien zur Verzögerung von Impulsen greifen und ob Patientinnen und Patienten beispielsweise ihren Ärger funktional reflektieren können, anstatt sofort impulsiv zu reagieren.
  • Differenzierte Therapieplanung: Um zu entscheiden, ob der Fokus eher auf der kognitiven Ebene oder auf der motorischen Verhaltenskontrolle liegen sollte, wobei Behandelnde im Diskurs auch globale Urteile nuancieren können, die Patienten über ihr eigenes Scheitern bei der Impulskontrolle fällen.

Ein validierter Summenscore hebt das diffuse klinische Bild auf ein messbares Niveau und ermöglicht es, den individuellen Handlungsdrang präziser und objektiver zu bewerten, als dies allein durch das offene Gespräch möglich wäre.

Klinische Bibliothek

750+ klinische Werkzeuge

Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.

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Die Fragen

  1. Menschen unterscheiden sich darin, wie sie sich in verschiedenen Situationen verhalten und wie sie denken. Dies ist ein Fragebogen, der einige Ihrer typischen Verhaltensweisen und Denkmuster erfassen soll. Lesen Sie jede Aussage durch und kreuzen Sie die Antwort an, die Ihrem üblichen Verhalten am ehesten entspricht. Verweilen Sie nicht zu lange bei den einzelnen Aussagen. Antworten Sie zügig und ehrlich.
    1. Ich plane meine Aufgaben sorgfältig.
    Dieses Item erfasst die Tendenz zu einem methodischen und vorausschauenden Arbeitsstil.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  2. 2. Ich tue Dinge, ohne nachzudenken.
    Hierbei wird die Neigung zu unreflektierten Spontanhandlungen bewertet.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  3. 3. Ich treffe Entscheidungen schnell.
    Dieser Aspekt beleuchtet die Geschwindigkeit und das Maß an Vorüberlegung in Entscheidungsprozessen.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  4. 4. Ich bin sorglos.
    Dieses Item fragt nach einer generellen Sorglosigkeit, die Risiken potenziell ausblendet.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  5. 5. Ich bin unaufmerksam.
    Die Frage zielt auf die allgemeine Schwierigkeit ab, den kognitiven Fokus aufrechtzuerhalten.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  6. 6. Meine Gedanken rasen.
    Hier wird eine subjektiv erlebte kognitive Überflutung und innere Unruhe gemessen.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  7. 7. Ich plane Reisen lange im Voraus.
    Dieses Item untersucht das langfristige Planungsverhalten anhand eines konkreten Alltagsbeispiels.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  8. 8. Ich habe mich unter Kontrolle.
    Hier wird die subjektiv wahrgenommene Fähigkeit zur generellen Selbstregulation erfasst.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  9. 9. Ich kann mich leicht konzentrieren.
    Die Frage bewertet die Kompetenz, die eigene Aufmerksamkeit gezielt zu bündeln.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  10. 10. Ich spare regelmäßig.
    Finanzielles Verhalten dient hier als Indikator für langfristiges und zielgerichtetes Handeln.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  11. 11. Es fällt mir schwer, während eines Theaterstücks oder einer Vorlesung still zu sitzen.
    Dieses Item misst die motorische Unruhe in Situationen, die eine physische Passivität erfordern.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  12. 12. Ich denke sorgfältig nach.
    Hierbei wird die Neigung zu reflektierter und bedachter kognitiver Verarbeitung beurteilt.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  13. 13. Ich denke an die Sicherung meines Arbeitsplatzes.
    Das Streben nach beruflicher Sicherheit fungiert als Maß für vorausschauende Lebensplanung.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  14. 14. Ich sage Dinge, ohne nachzudenken.
    Die Aussage beleuchtet die verbale Impulsivität in sozialen und kommunikativen Situationen.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  15. 15. Ich denke gerne über komplexe Probleme nach.
    Hier wird die Bereitschaft erfasst, sich intellektuell ausdauernd mit anspruchsvollen Themen auseinanderzusetzen.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  16. 16. Ich wechsle häufig meinen Arbeitsplatz.
    Eine hohe berufliche Fluktuation wird hier als potenzieller Verhaltensausdruck von Impulsivität geprüft.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  17. 17. Ich handle aus einer Laune heraus.
    Das Item erfragt die Anfälligkeit für plötzliche und unkontrollierte Handlungsimpulse.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  18. 18. Ich langweile mich leicht, wenn ich Probleme im Kopf lösen muss.
    Hier wird die kognitive Ausdauer und Frustrationstoleranz bei mentalen Aufgaben bewertet.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  19. 19. Ich handle impulsiv.
    Diese Frage zielt auf die mangelnde zeitliche Verzögerung zwischen Reiz und Reaktion ab.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  20. 20. Meine Denkweise ist beständig und überlegt.
    Hier wird die wahrgenommene innere kognitive Stabilität und Ruhe gemessen.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  21. 21. Ich ziehe oft um.
    Häufige Wohnortwechsel werden als Indikator für instabile und rasch getroffene Lebensentscheidungen herangezogen.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  22. 22. Ich kaufe Dinge aus einer Laune heraus.
    Impulsives Kaufverhalten dient hier als konkreter Marker für eine fehlende Verhaltenskontrolle.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  23. 23. Ich kann nur an eine Sache gleichzeitig denken.
    Das Item bewertet die kognitive Flexibilität und die Kapazität für parallel laufende Denkprozesse.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  24. 24. Ich wechsle oft meine Hobbys / Interessen.
    Ein ständiger Wechsel von Freizeitinteressen wird als Ausdruck mangelnder Ausdauer betrachtet.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  25. 25. Ich gebe mehr Geld aus oder leihe mir mehr, als ich verdiene.
    Fehlende finanzielle Voraussicht wird hier als Manifestation mangelnder Impulskontrolle erfasst.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  26. 26. Ich habe oft störende Gedanken, wenn ich nachdenke.
    Hier wird die Anfälligkeit für kognitive Interferenzen und Ablenkbarkeit untersucht.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  27. 27. Ich interessiere mich mehr für die Gegenwart als für die Zukunft.
    Eine starke Gegenwartsfokussierung wird auf Kosten vorausschauender Planung erfragt.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  28. 28. Ich bin im Theater oder bei Vorlesungen unruhig.
    Ähnlich wie im elften Item wird hier die physische Anspannung in Situationen mit Bewegungseinschränkung bewertet.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  29. 29. Ich mag knifflige Rätsel und Denkaufgaben.
    Die Freude an Rätseln dient als Indikator für eine ausdauernde kognitive Beschäftigung.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
  30. 30. Ich bin zukunftsorientiert.
    Das Item schließt den Fragebogen mit der generellen Einschätzung ab, wie sehr das eigene Denken auf Zukünftiges ausgerichtet ist.
    • Selten / Nie
    • Gelegentlich
    • Oft
    • Fast immer / Immer
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