Eine geführte Übung hilft Patienten, Expositionssituationen zu benennen und von leicht nach schwer zu ordnen, bevor die erste Konfrontation stattfindet.
Klinische Fallbeispiele
Soziale Phobie: Hierarchie erarbeiten
Klinisches Bild. Frau K., Mitte dreißig, stellt sich mit ausgeprägter sozialer Angst vor; sie meidet seit Monaten Situationen, in denen sie von anderen beobachtet werden könnte. Die Therapeutin leitet sie durch die geführte Übung "Meine Expositionsliste" und bittet sie, Alltagssituationen zu benennen und von leicht nach schwer zu ordnen. Frau K. beginnt zögerlich, nennt zunächst das Bezahlen an der Supermarktkasse, dann das Telefonieren mit Unbekannten, schließlich das Halten eines kurzen Redebeitrags im Kurs. Das Erstellen der Liste macht ihr deutlich, dass nicht alle Situationen gleich belastend sind, was die Bereitschaft zur ersten Konfrontation spürbar erhöht. Die Therapeutin hält fest, dass die Hierarchie noch angepasst werden kann, sobald erste Erfahrungen vorliegen.
Agoraphobie: Erste Struktur vor Konfrontation
Klinisches Bild. Herr A., Anfang fünfzig, berichtet von Vermeidungsverhalten gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln und belebten Plätzen nach einer Panikattacke vor einem Jahr. Im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie füllt er die Übung zur Expositionsliste aus und sortiert mögliche Situationen nach subjektivem Schwierigkeitsgrad. Als leichteste Aufgabe notiert er das kurze Warten an einer ruhigen Bushaltestelle; als schwerste das Fahren mit der U-Bahn zur Stoßzeit. Die schriftliche Ordnung gibt ihm das Gefühl, einen nachvollziehbaren Fahrplan zu haben, statt planlos in Angst situationen geworfen zu werden. Der Therapeut weist darauf hin, dass die Liste ein Arbeitsdokument bleibt und kein festes Programm.
Exposition und Angst: Was in der Stunde oft nicht reicht
Expositionsübungen sind das Kernstück der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung vieler Angststörungen. In der Praxis zeigt sich jedoch ein wiederkehrendes Problem: Patientinnen und Patienten verstehen das Prinzip intellektuell, aber sie wissen nicht, wie sie es auf ihren eigenen Alltag übertragen sollen. Die Lücke zwischen dem Verständnis von Angstvermeidung und dem konkreten Aufbau einer personalisierten Angsthierarchie bleibt oft unüberbrückt.
Das betrifft besonders Störungsbilder wie Agoraphobie, spezifische Phobien und soziale Angst, auf die auch das Expositionstherapieprogramm für Phobien ausgerichtet ist. Die Variationsbreite möglicher Expositionssituationen ist enorm. Ohne strukturierte Vorbereitung entstehen entweder Listen, die zu allgemein bleiben, oder Patienten fixieren sich sofort auf die angstauslösenden Spitzen und umgehen die graduelle Annäherung. Ein weiteres Problem: Die gemeinsame Formulierung einer gestuften Hierarchie kostet in der Sitzung Zeit, die für die Verarbeitung fehlt. Eine Übung, die diese Vorarbeit strukturiert auslagert, entlastet das Gespräch.
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Die Übung besteht aus einer einzigen, gezielt formulierten Aufgabe. Sie gibt Patientinnen und Patienten den klinischen Kontext, ohne therapeutischen Jargon zu überladen, und leitet zur eigentlichen Arbeit an:
Wichtiger Hinweis: Das Bild oben ist eine statische Vorschau der Übungsfrage. Die vollständige geführte Übung mit Eingabefeldern, patientenseitigen Anleitungen und den Optionen zur Nutzung in der Sitzung und zwischen den Terminen steht ausschließlich in der App zur Verfügung und ist in dieser Vorschau nicht enthalten.
> Diese Übung ist für Patientinnen und Patienten über die Patientenanwendung von SessionFuel zugänglich, die mobile Begleit-App, die ausschließlich den Patienten von Kliniker*innen zur Verfügung steht, die SessionFuel nutzen. Sie weisen die Übung zu, und Ihre Patientin oder Ihr Patient bearbeitet sie direkt auf dem Smartphone, sowohl in der Sitzung als auch zwischen den Terminen.
Die einzige Frage der Übung enthält bereits die entscheidende klinische Orientierung: Sie verankert die Aufgabe explizit in den betreffenden Störungsbildern und fordert eine Sortierung von leicht nach schwer. Das Kernprinzip der graduellen Exposition ist damit direkt in die Formulierung eingebettet. Patienten werden nicht gebeten, abstrakt über Angst nachzudenken, sondern konkrete, alltagsnahe Situationen zu benennen und in eine persönliche Reihenfolge zu bringen.
Das Ergebnis ist eine patientengenerierte Angsthierarchie, die bereits beim Einstieg in die nächste Sitzung vorliegt. Das unterscheidet diese Übung von einer allgemeinen Psychoedukation: Sie produziert klinisch verwertbares Material, ohne die Stunde zu belasten.
> À retenir: Eine vom Patienten selbst formulierte Expositionsliste stärkt die Eigenverantwortung und verankert das Expositionsprinzip im persönlichen Erleben, bevor die erste Konfrontation stattfindet.
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Eine Bibliothek, die mit und für Klinikerinnen und Kliniker entwickelt wurde, bereit für den Einsatz in der Sitzung und zur Fortführung zwischen den Terminen.
Diese Übung eignet sich am besten nach der Psychoedukationsphase zu Angst und Vermeidungsverhalten. Wenn Patientinnen und Patienten verstanden haben, warum Vermeidung Angst langfristig aufrechterhält, ist der Moment gekommen, dieses Verständnis in ein persönliches Handlungsrepertoire zu überführen. Wer bereits das strukturierte Psychoedukationsprogramm zu Angst oder das Programm Angst verstehen und Mut aufbauen durchgearbeitet hat, bringt das nötige konzeptuelle Fundament mit.
Geeignete Profile: Erwachsene mit sozialer Angst, Agoraphobie oder spezifischen Phobien, sobald das therapeutische Bündnis stabil genug ist, um über konkrete Konfrontationen zu sprechen. Die Übung lässt sich gut kombinieren mit Arbeiten zur Intoleranz gegenüber Ungewissheit oder zum Kontrollbedürfnis, da diese Muster häufig mit Vermeidungsverhalten verschränkt sind.
Einführung in der Sitzung: Kurz erklären, dass die Liste kein Behandlungsplan ist, sondern eine Bestandsaufnahme. Kein Druck, die Hierarchie sofort vollständig zu formulieren. Die Übung eignet sich gut als Hausaufgabe bis zur nächsten Sitzung.
Die Merkblätter, Übungen, Programme und Audios oben: Sie entscheiden, welche Sie Ihren Patienten in der eigens für sie bestimmten mobilen App zur Verfügung stellen.